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Zunkunft und Chancen des Gesundheitsmarkts – Fünf gemeinsame Forderungen der Handwerker

Eine Augenoptikerin bei der Arbeit.

 

 

 

 

 

 

Fünf für sie gleichermaßen wichtige gesundheits- und gesellschaftspolitische Fragen zu den Chancen und Risiken des Zukunftsmarktes Gesundheit beleuchten die Zentralverbände und Bundesinnungen der Augenoptiker (ZVA), Hörgeräteakustiker (BIHA), Orthopädieschuhtechniker, (ZVOS), Orthopädie-Techniker (OT-Forum) und Zahntechniker (VDZI) in ihrem am 21. März veröffentlichten Positionspapier. Es richtet sich an die Politik und Ärzte.

1. Patientenschutz durch Meisterpräsenz
Aus der Perspektive der Gesundheitshandwerker betrachtet, ist eine Pflicht zur Meisterpräsenz in allen gefahrengeneigten Berufen unverzichtbar. Individuell und fachgerechte Leistungen basierten auf der Kompetenz der Handwerksmeister. Mit einem hohen Maß an persönlicher Verantwortung handeln, überwachen und kontrollieren
diese im Sinne des Patientenschutzes.

Das Anpassen der Schnittstellen zwischen den Berufs- und Tätigkeitsfeldern der Gesundheitshandwerker und Ärzte, sei erforderlich. Bei den Hörgeräteakustikern und Augenoptikern wurde dies begonnen. Ziel müsse es sein, das Wissen, Können und die gesammelte Erfahrung umfassender einbringen zu können.

2. Perspektiven der Ausbildung
Für den Wettbewerb um die qualifizierten Mitarbeiter der Zukunft sehen sich die Gesundheitshandwerker gut gerüstet. Dennoch seien die Anforderungen in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Die rasant voranschreitende technologische Entwicklung und die zunehmende Digitalisierung stellen hohe Anforderungen ans Personal. Noch stärker wollen die Gesundheitshandwerker die Aus- und Fortbildung von Gesellen und Meistern intensivieren und setzen dabei auf das duale Ausbildungssystem – eine aus ihrer Sicht ideale Symbiose aus betrieblicher und überbetrieblicher Ausbildung. Einzig die schulischen Leistungen vieler Bewerber seien schlechter geworden. Besonders mangele es einem Großteil an Kenntnissen der Naturwissenschaften, Rechtschreibung und dem Allgemeinwissen.

3. Beteiligung im Bundesausschuss
Kein Verständnis zeigen die Handwerker für die Zusammensetzung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), in dem die Richtlinien für die Leistungserbringung von bundesweit 70 Millionen Versicherten verhandelt und festgelegt werden. In diesem Gremium arbeiten nur Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenkassen und Krankenhäuser zusammen. Die Gesundheitshandwerker fordern eine gleichberechtigte Mitarbeit.

4. Korruption bekämpfen
In der Beziehung zwischen Ärzten und Patienten bemängeln die Gesundheitshandwerker die Dominanz der Ärzte. Auch die Position der Handwerker selbst gegenüber den Ärzten sei sehr schwach. Sie seien von den Verordnungen und Aufträgen abhängig. Wirtschaftlich erhöhe dies die Wahrscheinlichkeit von Korruption und Vorteilsnahme. Daher werden die jüngsten sozialrechtlichen Maßnahmen begrüßt. Kennzeichnend dafür sei die jüngste Verschärfung der Korruptionsbekämpfung. Seit Jahresbeginn gilt beispielsweise das GKV-Versorgungsstrukturgesetz. Den ärztlichen Berufen wird grundsätzlich mit dem Paragraphen 73 Abs. 7 SGB V untersagt, Einkünfte durch die Zuweisung ihrer Patienten an bestimmte Leistungserbringer zu erzielen. In Verbindung mit dem Paragraphen 128 SGB  V wurde klargestellt, dass die Auswahl und Zusammenarbeit der ärztlichen Berufe mit anderen Leis-tungserbringern ohne finanzielle Vorteile  für den ärztlichen Heilberuf sein soll und sich an Leistung und Qualität orientieren muss. Zudem fordern die Gesundheitshandwerker eine Ausweitung dieser Regeln auf den Bereich der privaten Krankenversicherungen.

5. Exportschranken abbauen
Künftig wollen die Handwerker nicht nur auf dem deutschen Markt mit ihrer Arbeit überzeugen. Durch die duale Ausbildung mit ihren praktischen Ausbildungsinhalten sehen sie sich im europäischen Vergleich gut gerüstet. Doch noch immer gibt es Länder, in denen sich in ihrem Segment nur Akademiker selbstständig machen dürfen. Der Europäische Gerichtshof habe klargestellt, dass ein grenzüberschreitender Austausch von Gesundheitsdienstleis-tung ausdrücklich erwünscht sei. Auch das Europäische Parlament habe mit der Richtlinie 2005/36/EG die berufliche Mobilität in den streng regulierten Gesundheitsberufen vorangetrieben. Dennoch lassen viele EU-Länder die Zugangsschranken unten. Geht es nach den deutschen Handwerkern, können und dürfen akademische Titel nicht darüber entscheiden, ob jemand als qualifiziert gilt oder nicht.

 

Gesundheitshandwerk in Zahlen
5  Gewerke: Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Orthopädieschuhtechniker, Orthopädie-Techniker und Zahntechniker
24.000 Unternehmen
160.000 Beschäftigte
15.000 Lehrlinge jährlich

 

Der Bericht erschien in der April-Ausgabe 2012 des Magazin NordHandwerk

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