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Zu Fuß durch die Todeszone

Schweriner Extremsportler-Ehepaar Michael und Vivi Kruse wanderte elf Tage in der größten Sandwüste der Welt.

Michael und Vivi Kruse mit Wichart Hölscher in der größten Sandwüste der Welt.Schwerin. Eine Kreuzfahrt oder Südseestrände passen nicht als Silberhochzeitsreise eines Extremsportlerpaars. Da muss es schon eine teilweise Durchquerung der größten Wüste der Welt sein – und das nicht in Jeeps auf den Touristenrouten, sondern zu Fuß mit Zelt und Rucksack. „Wir wurden gefragt, ob wir etwas machen wollen, was zuvor niemand gemacht hat“, sagt Michael Kruse. Gemeinsam mit sechs weiteren Schweizern und Österreichern wanderten er und seine Frau Vivi elf Tage lang 220 Kilometer durch die Rub-Al-Khali-Wüste. „So lange soll zuvor noch keine Gruppe unterwegs gewesen sein“, sagt Michael Kruse nach der Rückkehr aus dem Oman stolz. In dem Saudi-Arabischen Land startet eines seiner größten Abenteuer. Das soll schon etwas heißen für einen Mann, der mehrfach den Ironman-Triathlon auf Hawaii bestritt, in einem Bergwerk einen Marathon lief oder auf die Kilimandscharo stieg.

Eingeladen hatte ihn der Münchner Veranstalter Wichart Hölscher. Der liebt extreme Herausforderungen und organisiert solche Touren und Wettkämpfe. Michael Kruse lud er schon häufiger in entlegene Ecken ein. Der Mecklenburger lief einen Marathon in Burma und auf der Chinesischen Mauer. Auch im Oman lief der Schweriner schon 2007. Er gewann einen Doppelmarathon entlang der Wüste. Diesmal ging es hinein in die Wüste – nicht Mann gegen Mann und um die besten Zeiten. „Diesmal wollte ich gemeinsam mit meiner Frau die Grenzerfahrungen machen“, sagt Kruse. „Vivi war die einzige Frau auf der Tour“, sagt Michael Kruse. Einheimische nennen die größte Sandwürste der Erde respektvoll Todeszone. Wer schlecht vorbereitet hinein geht, kommt nicht wieder lebend heraus. Sie erstreckt sich mit einer Fläche von rund 780.000 Quadratkilometern von Nadschd im Nordenen, bis nach Hadramaut im Jemen im Süden und bis in die Vereinigten Arabischen Emirate im Nordosten. Die Dünen sind bis zu 300 Meter hoch. Jährlich fällt weniger als 5 Millimeter Niederschlag auf einen Quadratmeter. Die Wüste gilt als nahezu unzugänglich. Es herrschen Temperaturen von bis zu 60 Grad, weshalb einige Gebiete bislang nur mit Sateliten erkundet werden konnten. Auf diese Gefahren und Anforderungen hatte sich das team optimal eingestellt.

Von Mascut aus fuhren sie zwei Jepps an den Rand der Wüste. Zur Sicherheit hatte das Team ein Satelitentelefon bei sich und für Notfälle stand ein Millitärhubschrauber bereit, um sie aus der Wüste zu holen. Auf dem Rücken trug jeder ein Zelt und einen neun Kilogramm schweren Rucksack. Verbunden mit einem Seil mit der Hilfe von GPS-Geräten suchten sie mitten in der Sandwüste ihre Schlafplätze. „In dem feinen Sand war es anstrengend die Dünen hinaufzuklettern. Zeitweise war es Mittags so heiß, dass wir immer zwei Stunden Pause einlegen mussten“, sagt Michael Kruse. Vor den gefürchteten Sandstürmen blieben die Wanderer verschont. In solch einem Fall hätten sie sich in ihren Zelten verkriechen müssen. „Es bleiben Dir nur vier Minuten zum Aufbauen und Verkriechen. Dann musst Du alles bei Dir haben, da solch ein Sturm mehrere Tage dauern kann“ Die beiden furchtlosen Norddeutschen konnten jeden Tag 20 Kilometer wandern. Am Abend wurden Blasen an den Füßen aufgestochen. Der feine Sand rieb die Haut auf. Zwar sank die Temperatur in den Nächten von 30 auf 13 Grad. Vivi und Michael Kruse mussten trotzdem wachsam bleiben. Schließlich leben in der Wüste die gefährlichsten Tiere der Welt. Kleine weiße Skopione und Schlangen graben sich am Tag im Sand ein und kommen am Abend hinaus. Ein Stich oder Biss kann tödlich sein. Doch statt sich vor ihnen zu fürchten, genoss das Paar die Weite und Stille der Wüste. „Es war einmalig schön sich ganz alleine auf einer Sanddünen zu sitzen und die Stille zu genießen“, sagt Michael Kruse. Zurück in Schwerin bündelt er die Kräfte für die nächsten Abenteuer und plant für 2013 eine weitere außergewöhnliche Familien-Tour. Mit Sohn Dennis will er am härtesten Radrennen der Welt , dem Race across america (RAAM) teilnehmen und mit ihm 5000 Kilometer quer durch Amerika fahren. Jens Seemann

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