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Wie versteuert man den Partyservice? Der Service macht die Speisen teuer.

Da stutzen selbst Steuerexperten. Fleischer und Bäcker stehen trotz eines Urteils des Bundesfinanzhofes vor der Frage, wann sie ihre Waren und Dienstleistungen mit 7 oder 19 Prozent versteuern müssen. Statt klarer Antworten gibt es viele Interpretationsmöglichkeiten.

 

Von Jens Seemann

 

Standardspeise oder nicht? Fleischer Martin Göpp aus Hamburg empfindet
das aktuelle Urteil zur Umsatzsteuer
auf Lebensmittel als verwirrend und beschloss, dass er diese Frage nicht
als Kriterium betrachtet und stattdessen alle ausgelieferten Essen mit 19 Prozent Umsatzsteuer berechnet.

Klarheit wollte Fleischermeister Richard Nier. Vom Tisch wollte er sie haben, diese ewige Ungewissheit, wann er 7 oder 19 Prozent Umsatzsteuer für seinen Partyservice berechnen muss. Der Handwerker aus dem Teutoburger Wald sollte nach einer Betriebsprüfung im Jahr 2003 Steuern nachzahlen und sah dies nicht ein. Beim Ausliefern von Essen in Kombination mit Tellern und Besteck hatte er aus der Sicht der Prüfer fälschlicherweise nur 7 Prozent Umsatzsteuer berechnet. Nier sah sich im Recht, klagte vor dem Bundesfinanzhof (BFH), verlor und weiß noch immer nicht, wann er 7 oder 19 % Mehrwertsteuer berechnen muss.

„Der Partyservice bietet steuerrechtlich viele Interpretationsmöglichkeiten. Deshalb empfehlen wir Unternehmern nach aktuellem Stand 19 Prozent Umsatzsteuer zu berechnen.“ Silke Lehmann, Steuerberaterin, HPO Flensburg

Auch Steuerfachleute stutzen beim Blick auf das Urteil. „Die Beantwortung dieser Frage bleibt knifflig“, sagt Silke Lehmann, Steuerberaterin von HPO in Flensburg. Es lasse immer noch viel Raum für Interpretationen. Zudem fehlt ein aktualisiertes Schreiben des Bundesministeriums für Finanzen (BMF), das als Richtschnur für Betriebe und die Finanzverwaltung gilt. Bis zur Veröffentlichung gelten die Vorgaben aus dem Jahr 2008. Niemand soll laut Zentralverband des Handwerks (ZDH) gemessen an den neuen Maßstäben rückwirkend zahlen müssen. Der ZDH setzt sich für eine angemessene Übergangsfrist ein. Nach Verhandlungen mit der Finanzverwaltung deutet laut ZDH vieles darauf hin, dass Handwerker nach der Veröffentlichung des neuen Schreibens nicht mit Verschlechterungen rechnen müssen.

Eines ist bereits klar: beim Mittagstisch entscheidet künftig nur die Frage nach dem Mitnehmen (7 %) oder dem Essen vor Ort (19 %). Die Fallstricke lauern beim Partyservice. Silke Lehmann rät Fleischern und Bäckern, zwei Punkte zu überprüfen: Werden zusätzliche Dienstleistungen wie Deko, Geschirr oder Besteck angeboten? Sind die Speisen Standardspeisen oder individuell gestaltete Speisen? „Im letzten Punkt gibt es keine klare Linie, sodass wir hoffen, dass das BMF davon abrückt“, sagt Lehmann. Wer ganz sicher gehen will, dem empfiehlt die Steuerberaterin die Leistungen des Partyservice mit 19 Prozent zu berechnen – ­so wie der Hamburger Fleischermeister Martin Göpp. Er schaut nicht, ob er Standardspeisen liefert. Stattdessen berechnet er für jedes ausgelieferte Essen 19 Prozent Umsatzsteuer und sieht sich damit auf der sicheren Seite.

 

Dieser Beitrag erschien in der Juni-Ausgabe des Magazin Nordhandwerk

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