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Hufschmied Marc-Anton Reh ist der Schuhmacher der Pferde

Von Jens Seemann

Marc-Anton Reh (vorne) beim Raspeln eines Hufs. Foto: Jens Seemann

Marc-Anton Reh (vorne) beim Raspeln eines Hufs. Foto: Jens Seemann

Bargteheide. Kühl weht der Wind durch die Tür. Trockenes Heu liegt auf dem Boden. Nur das leise Knacken einer Zange hallt durch den Stall. Mit feinen Schnitten säubert Marc-Anton Reh den Huf von Stute Menno. Der Hufschmied aus Bargteheide nennt es Aufräumen. Menno steht ohne Hufeisen auf dem Stallboden –Schmied Marc-Anton-Reh hat sie wie alle sechs Wochen schon gelöst. „Die Pferde müssen zur Fußpflege. Und die bekommen sie von mir“, sagt der Fachmann.

Mit Hufmessern, Raspeln und einer Schneidezange bearbeitet er die Hornkapseln, die die Hufbeine umschließen. Menno soll neue Hufeisen bekommen.

Die alten zu lösen und neue anzunageln funktioniert deshalb nicht, weil das Horn wie ein Fußnagel stetig nachwächst. Damit die Eisen passen, muss Marc-Anton Reh sie formen und braucht dafür räumliches Vorstellungsvermögen und scharfe Messer. Mit denen schneidet er die weicheste Stelle am Huf, den Strahl frei. Der sorgt für die Flexibilität. Mit einer Zange formt er die Sohle. Auf der schmalen glatten Fläche sitzt später das Hufeisen. Der Hufschmied muss behutsam vorgehen. Nur wenige Zentimeter trennen ihn von den Blutgefäßen und Nervenbahnen. In gebückter Haltung muss er das bei jedem Pferd machen. Das ist Kraftraubend. Und dennoch schafft er einem Tag bis zu 15 Pferde. Nicht alle bekommen auch Hufeisen.

“Ich kann sie so weit unterstützen, dass bei einigen kleine Noppen in die Eisen geschraubt werden – wie bei Fußballern”

„Bei einigen reicht das Ausschneiden. Aber das ist selten“, sagt Reh.

Insbesondere im Reitsport seien Hufeisen kaum mehr wegzudenken. Entweder würden die Hufe durch das regelmäßige Training zu schnell abnutzen oder die Pferde hätten zu wenig Halt. „Ich kann sie so weit unterstützen, dass bei einigen kleine Noppen in die Eisen geschraubt werden – wie bei Fußballern“, sagt Reh.

Manchmal kommt der Schmied auch zwischen den regulären Hufeisenwechseln in den Stall. Dann muss er Schmerzen lindern oder Fehlstellungen beheben.

Dafür braucht er die Diagnosen von Tierärzten. Auf deren Röntgenbilder muss er nicht mehr wie einst lange warten. Die Mediziner schicken ihm die Bilder am Tag zuvor per E-Mail. Reh schaut sie sich auf seinem Handy im Stall an. „Ohne die Bilder könnte ich nur spekulieren. So sehe ich die Winkelverhältnisse der Gelenke und kann den Huf entsprechend bearbeiten und die passenden Hufeisen aussuchen“, sagt Reh.

Menno hat keine Schmerzen. Bei ihr sollen die Hufeisen im Winter für mehr Halt sorgen. Schon beim Ausschneiden hatte Marc-Anton Reh das passende Hufeisen im Sinn. Unterschiedlichen Formen und Größen hängen in seinem blauer Transporter – den nutzt er als mobile Schmiede. Mit an Bord sind ein Gasofen, Bohrer, eine Schleifmaschine, sein Amboss und viele kleine Werkzeuge.

„Das ist traditionelle Handwerksarbeit“

Die Wahl der Hufeisen vergleicht er mit der Auswahl von Schuhen. Damit sie später perfekt passen, muss er sie im Gasofen auf 800 Grad erhitzen. Glühend nimmt er sie heraus und legt sie auf den Amboss. „Das ist traditionelle Handwerksarbeit“, sagt Reh. Mit groben und feinen Hammerschlägen formt er das Eisen. Dafür bleibt ihm knapp eine Minute. Dann ist das Eisen zu kalt. Mit immer noch 400 Grad drückt er es an Mennos Huf. Es zischt, raucht und stinkt. Doch Menno spürt davon nichts. Noch einmal wird das Hufeisen geschliffen. Dann befestig Reh es mit sechs Nägeln. Damit Menno auch das nicht spürt, muss der Hufschmied genau Zielen. „Ich habe nur wenige Millimeter Spielraum um nicht die Blutgefäße zu treffen“, sagt der Fachmann, schlägt die weiteren drei Eisen an und widmet sich dem nächsten Pferd.

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Staatliche geprüfte Ausbildung

Um Hufschmied werden zu können, absolvierte Marc-Anton Reh zunächst zahlreiche Praktika in Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Anschließend bewarb er sich an der FU Berlin. Dort lernte er viel über die Anatomie der Pferde. Und er lernte das Schmieden. Mit einem staatlich anerkannten Abschluss in der Tasche arbeitete er noch einige Jahre für andere Hufschmiede und machte sich vor zehn Jahren als mobiler Hufschmied selbstständig.

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Impressionen aus dem Stall

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Dieser Beitrag erschien am 02. Dezember 2012 in den Lübecker Nachrichten im Kreis Stormarn

Das PDF zum Download:

20121202_LN_Stormarn_Hufschmied_Marc_Anton_Reh

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So berichtete der NDR über Marc-Anton Reh

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