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Träume, Leiden und Respekt

Die Journalistin Julia Karnick denkt mit gemischten Gefühlen an ihren Hausbau zurück. Über ihre Erfahrungen mit Handwerkern schrieb sie ein Buch: „Ich glaube, der Fliesenleger ist tot.“

Die Hamburgerin Julia Karnick ist Kolumnistin der Frauenzeitschrift Brigitte und Bauherrin. Ihre Bau-Erfahrung hat sie auf humorvolle Weise in ihrem Buch „Ich glaube, der Fliesenleger ist tot“ aufgeschrieben. Foto: www.sabinebraun.de

Frau Karnick, das Handwerk wirbt selbstbewusst mit dem Slogan „Wir sind Handwerker, wir können das“. Was geht Ihnen beim Lesen durch den Kopf?
Karnick: Manche können das.

Das müssen Sie erklären.
Karnick: Bei uns haben Fliesenleger und Klempner viel Mist gemacht. Ich möchte aber mit meinem Buch kein Gewerk verteufeln. Ich habe den Eindruck, es funktionierte umso besser, je kleiner die Betriebe waren – am besten, wenn der Chef mit anpackte.

Was ärgerte Sie besonders?
Karnick: Für uns ist dieses Haus etwas Großes und Wichtiges – sowohl zeitlich und materiell als auch für die Lebensplanung. Der Umgang unserer Problem-Firmen mit ihren Fehler bleibt nicht nachvollziehbar. Für die waren wir wohl nur ein kleines Einfamilienhaus.

Ein Jahr wohnen Sie im Haus. Sind alle Mängel behoben?
Karnick: Die Badewannengarnitur ist immer noch nicht montiert, das scheint wahnsinnig kompliziert zu sein. Termine verzögern sich oder der Klempner kommt nicht.

Wissen die Firmen vom Buch?
Karnick: Nicht von mir. Manchmal wollte damit drohen, dass ich es schreibe. Aber das hätte die Wirklichkeit verfälscht.

Wann kam Ihnen die Idee?
Karnick: Noch vor Baubeginn. Einen Kollegen habe ich in der Planungsphase so mit dem Thema genervt, dass er mir riet, ein Buch darüber zu schreiben.

Und die Handwerker lieferten den Stoff?
Karnick: Ja, aber nicht nur die. Das Buch hatte therapeutische Wirkung. Wenn etwas schief lief, konnte ich mich wenigstens freuen, dass ich wieder Erzählstoff für mein Buch hatte.

Haben Sie zuvor Handwerker beauftragt?
Karnick: Selten. Wir waren Mieter.

Nach welchen Kriterien haben sie ohne Erfahrung die Betriebe ausgesucht?
Karnick: Nicht nur über den Preis. Unsere Architektin kannte viele, einige haben uns Freunde empfohlen. Nur den besagten Fliesenleger kannte keiner. Den empfahl uns der Fliesenfachhandel. Heute ist er von deren Liste gestrichen.

Welche Erwartungen richten Sie heute an Handwerker?
Karnick: Ich erkenne, ob der Meister oder Geselle mit Herzblut bei der Sache ist. Gelingt es mal nicht, Termine einzuhalten, reicht ein Griff zum Telefon. Kommunikation ist alles. Reden, Erklären und Entschuldigen drücken Respekt aus. Der Hausbau war für mich mehr als ein Geschäftsverhältnis. Ich habe den Handwerkern meine Träume, mein Geld und meine Vorstellungen anvertraut und erwartet, dass sie sorgsam damit umgehen.

Gab es solche Handwerker auch auf Ihrer Baustelle?
Karnick: Es war die überwiegende Zahl. Gerne erinnere ich mich an die Tischler, als die unsere Möbel aufbauten. Das hat Spaß gemacht. Oft sind es Details wie ein perfekt beschrifteter Elektrokasten, die von Sorgsamkeit zeugen. Bei unserer Heizung können wir hingegen einige Dinge bis heute nicht zuordnen.

Wäre die Journalistin Julia Karnick rückblickend gerne Handwerkerin geworden?
Karnick: Der Zug ist abgefahren. Schade eigentlich. Es ist sicher sehr befriedigend, einen funktionierenden Betrieb mit einem guten Ruf aufzubauen. Schließlich ist man sein eigener Herr und Meister und kann Verantwortung übernehmen. Handwerk ist sicher eine attraktive Alternative zu vielen brotlosen Studienfächern. Deshalb würde ich meinen Kindern durchaus raten eine  Handwerksausbildung in Betracht zu ziehen.

Die Fragen stellte Jens Seemann

Julia Karnick sammelt auf Facebook Bauerfahrungen: www.facebook.com/DerFliesenlegerIstTot

Julia Karnick,
Ich glaube, der Fliesenleger ist tot. Ein lustiges Baubuch,
352 S., Blenvalet Verlag,
München, 2012, 19,99 €,
ISBN: 978-3-7645-0429-8

 

 

Dieser Beitrag erschien in der Juli-Ausgabe 2012 des Magazin NordHandwerk

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