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Sicher mit System – Arbeitsschutz organisieren

Chefs kleiner Unternehmen fehlt häufig die Zeit, den Arbeitsschutz systematisch zu organisieren. Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall unterstützt ihre Mitglieder bei der Analyse der eigenen Strukturen, macht Verbesserungsvorschläge, prüft und verleiht ihnen das Siegel „Sicher mit System“.

Von Jens Seemann

Auf der Baustelle greifen die Kälteanlagenmechaniker der Firma Kälte- und Klimatechnik Wegner aus Wismar erst im zweiten Schritt zum Werkzeug. Im ersten greifen sie zu Zettel und Stift. Die Vorgabe des Chefs: Sicherheit hat Priorität. Im In- und Ausland installieren seine Mechaniker große Anlagen, arbeiten in luftigen Höhen und mit Kühlmitteln und Chemikalien. In ihren Transportern müssen sie ihre Ladung sichern und Chemikalien vorschriftsmäßig lagern. Regelmäßig will der Chef das Bewusstsein für die Gefahren schärfen.

Erst die Gefahr einschätzen
Schwere Arbeitsunfälle gab es in den vergangenen 17 Jahren nicht. Damit das so bleibt, müssen die Mechaniker unter anderem eine Gefährdungsbeurteilung ausfüllen. Dafür begutachten sie ihren Arbeitsplatz. Sie schauen, ob sie frei arbeiten können, ihr Arbeitsplatz in der Höhe ist, sie einen Helm oder eine Leiter benötigen und tragen es in ihre Checklisten ein. Schätzen sie ihre Lage selbst als zu gefährlich ein, dürfen sie nicht starten. Das schreibt das Arbeitsschutzmanagement (ASM) der Firma vor. Ein solches ASM soll präventiv wirken. Durch ein stärkeres Bewusstsein für den Arbeitsschutz sank beispielsweise bundesweit die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle im Zeitraum von 1962 (5.500) bis 2010 (674).

Das ASM ist Grundlage des Gütesiegels „Sicher mit System“, das die Firma vor drei Jahren verliehen bekam und im Januar bestätigte. Das Siegel ist eine Initiative der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM). Auf freiwilliger Basis können Mitgliedsbetriebe mit bis zu 250 Mitarbeitern ihre Organisation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes überprüfen lassen. Die Berater der BGHM bewerten Schwachstellen und machen den Unternehmern Vorschläge, wie sie diese beseitigen können. Bis zu ein Jahr bleibt ihnen, die Organisation des Arbeitsschutzes zu optimieren. Das Risiko von Unfällen und Betriebsstörungen wird minimiert. Ist das Arbeitsschutzmanagement in die Strukturen integriert und wird es von allen Beteiligten umgesetzt, fallen Mitarbeiter aufgrund von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten seltener aus. Die Verfügbarkeit und Motivation werden gesteigert. Kosten durch Unfälle und Krankheiten werden gesenkt. Prozesse werden verbessert. Durch weniger Störungen steigern sich Effizienz und Produktqualität. Nicht zu vernachlässigen ist der Imagegewinn bei Mitarbeitern, Kunden, Auftraggebern und Behörden.

Die innerbetrieblichen Strukturen müssen so organisiert werden, dass Sicherheit und Gesundheitsschutz systematisch bei allen betrieblichen Entscheidungen integriert und berücksichtigt werden.

An systematischen Arbeits- und Gesundheitsschutz hatte Manfred Wegner lange nicht gedacht – bis vor vier Jahren. Bis dahin reichten gelegentliche Hinweise zur persönlichen Sicherheit und entsprechende Ausrüstungen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 25 – heute sind es 40. Deren Sicherheit zu gewährleisten wurde immer schwieriger. Ebenso stiegen die Anforderungen der Auftraggeber. Mittlerweile genießt der Arbeitsschutz in Wegners Branche einen hohen Stellenwert. Auftraggeber bestehen auf ein ASM. „Ohne den entsprechenden Nachweis kommen wir gar nicht auf die Baustellen, geschweige denn an die Aufträge.“

Die Zeiten, in denen der Chef die komplette Verantwortung für die Sicherheit trug, sind vorbei. Mit Hilfe der BGHM brachte das Team System in ihren Arbeitsschutz. Zum Jahresbeginn erfüllten sie die Anforderungen zum zweiten Mal und dürfen das Siegel „Sicher mit System“ weitere drei Jahre nutzen. Heute zählen die Mecklenburger zu den Vorzeigebetrieben der BGHM.

 

Bianca Wegner

„Dank des Siegels ,Sicher mit System` konnten wir den Arbeitsschutz in unserem wachsenen Unternehmen auf professionelle Beine stellen“
Bianka Wegner, Kälte-, Klimatechnik Manfred Wegner, Wismar

Mit Hilfe eines Selbstchecks der BGHM erstellte Wegners Tochter Bianka ein Organigramm. Mittlerweile hält sie in allen Belangen des Arbeitsschutzes die Fäden in den Händen. Sicherheitsbeauftragte, Sicher­heitsfachkräfte und Ersthelfer wurden ausgebildet – deutlich mehr als von der BGHM vorgesehen. Da die Mitarbeiter bundesweit in kleinen Teams auf Montage sind, ließ Bianka Wegner zehn zu Ersthelfern weiterbilden. Sicherheitsfachkräften wurden Unternehmerpflichten übertragen. Auf der Baustelle gewährleisten sie für sich und andere die Sicherheit, belehren Kollegen, machen Aushänge und dokumentieren Unfälle, um diese künftig zu vermeiden. Ebenso gibt es interne Kontrollen.

Zusätzlich ist der Arbeitsschutz zum festen Bestandteil des jährlichen Sommerfestes geworden. Die Firma veranstaltete Fahrsicherheitstrainings, trainierte den Umgang mit Feuerlöschern, übte das Nutzen der persönlichen Schutzausrüstung. Ebenso haben die Mitarbeiter immer die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge zum Gesundheits- und Arbeitsschutz zu unterbreiten. So wurden beispielsweise Handschuhe gekauft, die einen besseren Schutz vor Schnittwunden gewährleisten.


Infos zum Arbeitsschutz:

Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin
www.baua.de

Berufsgenossenschaft Holz und Metall
www.bghm.de

Portal zur Gefährdungsbeurteilung
www.gefaehrdungsbeurteilung.de

Betriebsärztliche und sicherheitstechnische
Unterstützung von Kleinstbetrieben
www.basik-net.de

Gesund und sicher in Kleinstbetrieben
www.gusik.de

Amadeus – Gesund und sicher im Handwerk
www.amadeus-handwerk.de

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