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Roga Hagen über die Mathematik des Steinmetzes

Von Jens Seemann

Steinmetzmeister Roga hagen beim Bearbeiten einer Steinplatte.

Steinmetzmeister Roga Hagen beim Bearbeiten einer Steinplatte.

Bad Oldesloe. Steine können nicht so hart sein, dass Roga Hagen nicht in der Lage wäre, ihnen eine Form zu verleihen. Dafür muss der Steinmetz und Steinbildhauermeister aus Bad Oldesloe nicht nur Kraft aufbringen. „Meine Arbeit ist praktische Mathematik, gepaart mit gutem räumlichen Verständnis. Ich muss in Flächen und Winkeln denken. Dann kommen Hammer und Meißel“, sagt Hagen und zeigt es an seinem Meisterstück – ein Krümmling, eine geschlungene Säule, wie ein Kunstwerk. Der Meister wollte die vielseitigen Möglichkeiten und Herausforderungen ausschöpfen, die die Bearbeitung von Steinen bietet. Dafür bedarf weit mehr als der puren Muskelkraft.

Bis Hagen Hammer und Meißel an einen Stein ansetzt, muss er überlegen, planen und zeichnen. Zunächst bringt er Skizzen Entwürfe aufs Papier und entwirft Pläne der Arbeitsschritte. Da er später am Stein jeder Fehler die gesamte Arbeit zunichte macht, formt Roga Hagen zunächst immer ein Gipsmodell, dass er in den selben Schritten wie den späteren Stein bearbeitet. Anhand des Modells des Krümmlings erklärt Roga Hagen, dass er sich einer runden Form am Stein geometrisch nähern muss. Aus einem Viereck wird nach und nach ein Achteck, ein Sechszehneck. Hagen zeichnet so lange immer wieder Verbindungslinien von oben nach unten und trägt Material ab, bis nur noch feinste Kanten entstehen, die er behutsam angleicht.

„Im schlimmsten Fall ist wegen einer Unachtsamkeit kurz vor Fertigstellung alles dahin“

Bei der Arbeit am Stein muss er sich Zeit nehmen. Für sein Meisterstück blieben ihm 120 Stunden. Und Geduld muss er haben. Jeder Hieb will gut überlegt sein und muss sitzen. Abgetragenes Material kann der Steinmetz nicht wieder ersetzen. „Im schlimmsten Fall ist wegen einer Unachtsamkeit kurz vor Fertigstellung alles dahin“, sagt Roga Hagen, der am häufigsten Granite bearbeitet. Er und seine norddeutschen Steinmetzkollegen genieße deshalb Respekt im Süden. Sie beherrschen das härteste Gestein. Im Süden wird zwar weit mehr Naturstein verbaut und für Dekorationen verwendet, aber der ist weicher. „Hier ist man es seit jeher gewohnt, da es hier kaum andere Natursteine gab, die Steinmetze verwenden konnten“, sagt Hagen. Er schätzt die reduzierte Formsprache, die ihm der Stein ermöglicht.

Da er den Granit mit Presslufthammer, Hammer und Meißel in Form bringen muss, sind feine Strukturen wie die eines Gesichts kaum möglich.

Kunstvolle Stücke wie sein Meisterstück stehen aber seltener in seinen Auftragsbüchern. Hagens Betrieb, den er in zweiter Generation führt, ist seit jeher auf Grabsteine spezialisiert. „Die Trauerkultur vollzieht mal wieder einen Wandel. Die Steine werden kleiner. Meist sind es kleine Platten“, sagt Hagen. Interessiert und skeptisch betrachtet er aufkommende Trends, wie die Überlegung QR-Codes aufs Grabsteine zu meißeln. Mit dem Handy könnten Friedhofbesucher diese Codes einscannen und würden auf virtuelle Trauerseiten im Internet gelangen. „Bislang hatte ich noch keine Anfragen. Aber ich könnte es mir vorstellen, wenn statt einer Trauerseite Zitate oder ein Text über den Verstorbenen auf dem Handy angezeigt werden kann“, so Hagen.

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So bewertet der Fachmann Teppiche aus aller Welt

Während ihrer Ausbildung musste sich Roga zwischen den Fachrichten Steinbildhauer und Steinmetz entscheiden. Da im Norden seltener künstlerisch gearbeit wird, entschied er sich für die Steinmetzarbeiten. Während seiner Meisterausbildung wurde er dann in beiden Fachrichtungen geprüft und ist deshalb Steinmetz- und Steinbildhauermeister.

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Bildergalerie: Impressionen aus der Werkstatt (zum Vergrößern anklicken)

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Dieser Beitrag erschien am 06. Januar in den Lübecker Nachrichten im Kreis Stormarn

Das PDF:
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