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Der Retter der alten Schmiede

Er war Meister und wagte mit 37 Jahren den Neuanfang.Holger Meltzer erlernte ein Handwerk, das er zum Hobby machen musste. Vor zwölf Jahren fand er einen Ort mit ganz besonderem Charme.

 

Todendorf. Mitten im Raum steht ein kleiner Ofen. An der Decke hängen Schwerter, Hufeisen und Geweihe. Wände und Fenster sind mit Ruß bedeckt. Bohrer, Wasserschleifstein  und Amboss erinnern an längst vergangene Tage. Der Besucher ist auf seiner Zeitreise mitte der 40er Jahre angekommen.

Nichts hat sich seither in der Todendorfer Schmiede verändert. Nur am Amboss steht seit zwölf Jahren ein anderer – Holger Meltzer. Hinter ihm lodert das Feuer in der Esse. Mit satten Hammerschlägen bearbeitet Meltzer glühendes Eisen, aus dem er ein Messer formt. Von einem befreundeten Hufschmied hat er alte Stahl-Feilen bekommen. Die werden verschweißt, wie es der Fachmann nennt. Die Feilen erhitzt, bearbeitet und faltet sie. So entstehen bis zu hundertfache Lagen. Beim Blick ins Feuer erkennt der Schmied anhand der roten Glühfarbe die Temperatur von 1200 Grad, die er zum Bearbeiten benötigt. Das Zeitfenster, bis das Eisen zu kalt wird, ist  klein. Beim Formen muss jeder seiner Schläge sitzen.

Meltzer ist ein Schmied aus Leidenschaft – einer, der über Umwege seinen Traumberuf fand, sein Handwerk erlernte, das und heute als Hobby betreibt. Leben könnte er von seiner Hände Arbeit nicht.„Früher waren die Schmiede im Dorf so wichtig wie der Bürgermeister. Heute sind wir Kunsthandwerker“ , sagt Meltzer, der regulär in einer Schlosserei angestellt ist. Am Feierabend zieht er sich in sein lebendes Museum zurück, gibt Seminare und präsentiert sein Handwerk auf Märkten. Das ist seine Welt.

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Obwohl er schon als Kind Ritter und Schwerter liebte, dachte er nie daran Schmied zu werden – 37 Jahre lang.

Nach der Schule wurde er Kfz-Schlosser. Kreuz und quer durch Deutschland begleitete er als Monteur Ralley-Fahrer, wurde Meister und gründete eine eigene Firma. Doch die Elektronik löste nach und nach die Mechanik ab. „Das war nicht mehr meins“, sagt Meltzer. Unverhofft lernte er 1995 einen Schmied aus Lauenburg kennen, der ihm trotz seiner 37 Jahre eine Ausbildung anbot. Von der Elbe führte ihn sein Weg noch während der Lehre an die Spree nach Berlin – der Liebe wegen. Um möglichst viele alte Techniken zu erlernen, half Holger Meltzer zusätzlich kostenlos in anderen Schmieden. Das Wissen nutzt er heute für seine Messer.

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Doch in der Hauptstadt wurde die Auftragslage für traditionelle Schmiedearbeiten schlechter. Deshalb fiel ihm der Abschied nicht schwer. Gemeinsam mit seinem Sohn zog er zurück in seine alte Heimat Bargteheide. Dort hatte Holger Meltzer für ihn eine Ausbildungsstelle zum Schlosser gefunden.

Das war 1999. Gedanklich hatte sich Holger Meltzer von  seinem Dasein als Schmied verabschiedet – bis er laß, dass das Schmiedefeuer in Todendorf aus sei. An einem nassen Oktober-Abend fuhr er mit dem Motorrad nach Todendorf, klingelte an der Haustür der Familie Ahnfeld und durfte in die Schmiede. „Alles lag an seinem Platz. Ich konnte sofort loslegen und fühlte sich sofort heimisch“, erinnert sich Holger Meltzer. Seither lädt er Besucher regelmäßig zu Schmiedeseminaren nach Todendorf ein. Mit ihnen faltet er Stahl, erklärt ihnen physikalische Gesetze, formt Messer und sitzt mit ihnen am alten Schleifstein.


Der Charme des Besonderen

Die Todendorfer Schmiede wurde 1869 vom Hufschmied Wachtmann gebaut. 1913 übernahm sie Wilhelm Ahnfeld, deren Familie sie bis heute gehört. Zeitweise arbeiteten dort bis zu fünf Angestellte. Sohn Waldemar hingegen arbeitete bis zum Jahr 2000 alleine. Ihm verdank die Schmiede ihren alten Charme. Holger Meltzer hat ihm zu Ehren ein Bild von ihm neben die Esse gehängt, in der seit jeher das Schmiedefeuer lodert.

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