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Plaudereien eines Weltenbummlers

Von Jens Seemann

Witzig, locker und launig schreibt Friseur Rocco Cantorelli in seinem ersten Buch über seine Erlebnisse zwischen Spiegel und Waschtisch – und über respektlose Kunden.

Ammersbek. Sein Schreibstil ist gradlinig und direkt. Sein Werdegang ist es nicht. Rocco Cantorelli ist Sänger, Schauspieler, Friseur, Maskenbildner und Moderator. Und seit wenigen Wochen ist er Buchautor. Er nimmt seine Leser in „Alles haarsträubend” mit auf seinen Weg über Paris, London und die Backstage-Stage-Bereiche des New Yorker Broadways ins schleswig-holsteinische Ammersbek. Cantorelli beschreibt sein Leben hinter den Theater-Kulissen und hinter dem Friseurstuhl seines Salons „Rocco´s Art” in Ammersbek.

Der spielte in seinen Planungen nie eine Rolle. Nach seiner Schulzeit studierte Cantorelli Barock-Gesang und ist seither einer von weltweit wenigen männlichen Sopran-Stimmen. Doch leben ließ es sich damit nicht so gut. „Um etwas handfestes zu können, entschloss ich mich Friseur zu werden“, sagt Cantorelli. Sein Ziel war es anschließend als Maskenbildner hinter den Theaterkulissen zu arbeiten. Zur zusätzlichen Maskenbildner-Ausbildung kam er nicht mehr. Während seiner Friseurlehre wechselte er dreimal den Salon. „Um möglichst viel zu lernen“, sagt er. Und er jobbte nebenher in der Maske von Theatern. Dort überzeugte er so sehr, dass ein Fotograf ihm ein erstes Angebot für eine Fotoproduktion im amerikanischen Florida unterbreitete. Seither ließt sich seine Vita wie ein ­­­­Reisetagebuch. Cantorelli ging für einige Monate nach Paris, leitet anschließend eine Weile einen Salon in London bevor er nach Hamburg zurückkehrte. Von dort aus tourte der Maskenbildner mit M­­­­usicalproduktionen wie Jesus Christ Superstar, Evita und My fair Lady durch die Schweiz, Österreich, Deutschland, Italien und die Slowakei.

“Dann lockte wieder Amerika. Die ganz große Nummer”

„Dann lockte wieder Amerika. Die ganz große Nummer“, sagt Cantorelli stolz und meint den Broadway von New York. Dort arbeitete er als Maskenbildner für unterschiedliche Musicals wie Will Roger´s Follies, Les Misérables, Guys and Dolls oder Camelot. „Und manchmal durfte ich für kleine Rolle sogar mal auf die Bühne“, sagt Cantorelli, der nach zwei Jahren in den USA zurück nach Europa wollte.

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In Stuttgart, Offenbach und Hamburg leitete er anschließend die Maskenabteilung, bevor ihn 2007 sein Weg zurück nach Stormarn führte. In Ammersbek ist der Einzelkämpfer sesshaft geworden. Zwischen Spiegel und Waschtisch erlebt er „die dollsten Geschichten”. Und die hat er aufgeschrieben.

Sein Buch ist keine Autobiografie. Dafür hätten 222 Seiten nicht gereicht. Cantorelli nennt es „Plaudereien eines Friseurs”. Und sagt: „Weil es Zeit wurde.” Es ist ein Stück Therapie. Deshalb widmete er es seinen Nerven.

“Das sind Themen die jeder Friseur, ja jeder Dienstleister, erlebt – doch niemand würde es so offen sagen.”

Witzig, locker und launig plaudert der Schleswig-Holsteiner über Geschichten, die sein Friseur-Alltag schreibt. Zwischen den Zeilen aber auch ziemlich direkt macht Rocco Cantorelli seinem Ärger Luft. Er ist sicher: „Das sind Themen die jeder Friseur, ja jeder Dienstleister, erlebt – doch niemand würde es so offen sagen.”

Wie kein zweiter kennt er die Sorgen seiner Kunden. Unfreiwillig wird er zum Zuhörer, Tröster und Ratgeber. „Ich bin aber nicht für die Probleme im Kopf, sondern auf dem Kopf zuständig”, sagt der Autor.

Und dann gibt es die Szenen in denen er sich fühlt, als sei er „nur der Haarabschneider”.

Cantorelli beschreibt Kundinnen, die nicht verstehen wollen, dass auch er Urlaub plant. Und er beschreibt den Aufschrei, wenn er seine Preise erhöhen muss. Zu einer unschönen Sitte sei es geworden, vereinbarte Termine unkommentiert verstreichen zu lassen. „Dann könnte ich vor Wut platzen.”

Tut er aber nicht. Er hat angefangen es aufzuschreiben. Bei seinen Lesungen honorierten sogar die Kundinnen, die sich wiedererkannten, seinen Mut.Das mache ihm Hoffnung, dass Friseuren bald wieder mehr Respekt entgegengebracht werde.<<

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Dieser Beitrag erschien am 04. November 2012 in den Lübecker Nachrichten im Kreis Stormarn

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Dieser Beitrag erschienim Novemberheft in des Magazin NordHandwerk

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