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Mediation: vertragen statt verklagen – Die Kuh vom Eis holen

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So erschien der Bericht im NordHandwerk

Konflikte mit Kunden, Mitarbeitern oder Geschäftspartnern müssen nicht zwangsläufig kostspielig und lang andauernd vom Gericht geklärt werden. Ein Mediator kann vermitteln und eine Lösung herbeiführen ohne selbst Vorschläge zu machen.

Von Jens Seemann

„Jeder Konflikt, den die Konfliktparteien miteinander lösen, ist am Ende auch gelöst“, sagt Martin Teich. Der Lübecker ist Bau- und Wirtschaftsmediator und Tischlermeister. Er ist überzeugt, dass viele Auseinandersetzungen von Handwerkern nicht kostspielig und langwierig von Gerichten geklärt werden müssten. „Mit Hilfe von Mediatoren ginge es schneller und reibungsloser. Eine Mediation dauert meist nur wenige Stunden und kostet zwischen 500 und 1.000 Euro.

Nach einem Gerichtsurteil oder Vergleich bleibt zudem häufig das Streitklima erhalten – der Kunde kommt nie wieder oder ein Arbeitsverhältnis wird beendet. Während beim Gerichtsstreit der Verlierer der Gegner von morgen sein wird, verbessert eine Mediation häufig das Verhältnis“, sagt Martin Teich. Nach einer Mediation können die einstigen Gegner in der Regel wieder konstruktiv miteinander reden. Teichs Devise lautet: vertragen statt verklagen.

Seine Herangehensweise ist eine andere als die der Richter. Es geht nicht um Schuld, sondern die Ursachen der Konflikte. „Im juristischen Verfahren steht die Kuh auf dem Eis, und es wird gefragt, wer schuld daran ist. In einer Mediation fragen sich die Beteiligten, wie sie die Kuh gemeinsam vom Eis bekommen und verhindern, dass sie künftig wieder draufläuft“, sagt Teich
Dieses Prinzip der mediativen Konfliktbewältigung wird in England gesetzlich verankert und entlastet die Gerichte. Im Baubereich begleiten Mediatoren die Projekte und können Konflikten früh vorbeugen. Die Zahl der Bauprozesse ging um 98 Prozent zurück. In Deutschland gilt seit Dezember 2011 das Mediationsgesetz, aber die Methode ist weitgehend unbekannt. Oftmals ist von „Meditation“ die Rede. Dann muss Martin Teich schmunzeln: „Wir sorgen ja in gewisser Weise auch für Entspannung.“

Teich hat sich aufs Handwerk spezialisiert. Streiten sich Unternehmer mit Kunden, Mitarbeitern, Nachbarn oder auch Geschäftspartnern, tritt der Mediator als Vermittler zwischen die Fronten. In der Regel haben die Gegner, die Teich Partner nennt, irgendwann aufgehört zu reden. Emotionen überlagern ein kleines Problem, das plötzlich riesig geworden ist.

Schrittweise kann der Mediator die Partner meist binnen weniger Stunden zu einer Lösung führen. Wie diese aussieht, liegt ganz alleine an den Partnern. Der Mediator wertet und urteilt nicht, trifft keine Entscheidungen und macht keine Lösungsvorschläge. Er leitet den Prozess, gestaltet die Rahmenbedingungen und bringt beide Seiten wieder ins Gespräch.

Grundvoraussetzung für die Mediation ist, dass sich beide Seiten freiwillig auf das Verfahren einlassen und im ersten Schritt die Regeln akzeptieren. Jeder Partner muss ergebnisoffen sein. Die Gegenseite darf immer ausreden. „Anders als vor einem Gericht kann jeder jederzeit folgenlos aus dem Verfahren aussteigen“, sagt Martin Teich.

Im zweiten Schritt bekommt jeder Partner die Möglichkeit, seine Sicht auf die Dinge zu erklären. Der Mediator ist Zuhörer und schreibt alles auf.

Der dritte Schritt – die Interessenebene – ist entscheidend für das Gelingen der Mediation.  Die Partner äußern sich über eigene Motive, Interessen und Bedürfnissen. Erst im vierten Schritt werden darauf aufbauend Lösungsideen entwickelt und aufgeschrieben. Die Anregungen des Partners werden farblich bewertet – von nicht machbar (schwarz) über denkbar (blau) bis hin zu grün (machbar). „Häufig ist es so, dass beide Seiten sich ziemlich schnell aufeinander zubewegen und Kompromisse schließen“, sagt Martin Teich.

Wenn die Partner sich geeinigt haben, fasst der Mediator die Ergebnisse in einem Protokoll zusammen. Der Vertrag ist wie ein Urteil vor Gericht rechtlich bindend.

Weitere Infos:
www.verband-der-baumediatoren.de
www.deutsche-stiftung-mediation.de
www.bmwa.de
www.bmev.de

 

So läuft eine Mediation ab:

Konflikt
1. Verfahren festlegen
Für beide Seiten gilt: zuhören,
ergebnisoffen sein, ausreden lassen.
2. Positionierung
Beide Seiten erklären aus ihrer Sicht,
warum es den Konflikt gibt.

3. Interessenebene
Jede Seite erklärt ihr Verhalten.
Ein Lösung wird noch nicht erarbeitet.

4. Lösungsoptionen
Jede Seite bekommt die Möglichkeit, Lösungsvorschläge zu machen. Die werden anschließend  bewertet und abgewogen.

Vereinbarung
Der Mediator fasst die geschlossenen Vereinbarungen in einem Protokoll zusammen, das von beiden Seiten unterschrieben wird.

Der Brückenbauer Martin Teich
Als öffentlich vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Lübeck erstattet Tischlermeister Martin Teich Gerichts- und Privatgutachten. Seit zwei Jahren ist Teich zudem Bau- und Wirtschaftsmediator und Mitbegründer des Mediationszentrums Lübeck. Er verhilft Handwerkern und Kunden zu Lösungen, ohne dass diese den Rechtsweg bestreiten müssen. Mediatoren wie er werden auch von den Handwerkskammern vermittelt. Am 15. Dezember 2011 hat der Bundestag einstimmig das Mediationsgesetz verabschiedet. Ziel ist, die Gerichte zu entlasten und Bürger und Unternehmern einen alternativen Weg zur Beilegung von Streitigkeiten anzubieten.

www.mediationszentrum-luebeck.de

 

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