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Kürschner Torsten von Schachtmeyer und die Veredelung von Fellen

Von Jens Seemann

Mit scharfen Messern werden die Felle geschnitten.

Mit scharfen Messern werden die Felle geschnitten.

Bad Oldesloe. Von links sieht es gut aus. Von rechts verändert sich die Farbe. Und von oben haben die Haare keine einheitliche Länge. Für den flüchtigen Betrachter sehen alle Felle gleich aus. Doch keines gleicht dem anderen. Immer wieder sortiert Torsten von Schachtmeyer die schwarzen Nutria-Felle neu. Er ist Kürschnermeister – der vierte seiner Familie. Gegründet 1929 in Breslau, betreiben die von Schachtmeyers ihre Werkstatt seit 1947 in Bad Oldesloe. Seit zehn Jahren führt der Junior die Tradition in einem der ältesten Berufe fort.

Über Jahrzehnte kam und ging die Mode. Die Handwerkstechniken blieben weitgehend gleich.

Aus den Fellen wird Schachtmeyer eine Jacke anfertigen. Dafür benötigt er 20 bis 30 Stunden. Zwei vergehen beim Sortieren.

Am Computer hat er das Schnittmuster zeichnen und vom Plotter ausschneiden lassen. Entsprechend werden die Felle später zugeschnitten und zusammengenäht. Danach bringt er sie in Form. Die Arbeitsplatte, auf der er sie ausbreitet, ist übersäht mit kleinen Löchern. Von Schachtmeyer zieht die angefeuchteten Felle glatt.

“Die Zeit, in denen der Pelz nur als Statussymbol getragen wurde, sind vorbei”

Mit lautem Knallen schießen Tackernadeln ins Holz. Das muss er machen, um die Felle darauf zu platzieren. Der Fachmann nennt es Zwecken. Nach dem Trocknen werden die Umrisse die Felle gezeichnet. Abschließend  werden Rumpf, Ärmel und Kragen zusammengenäht, Verschlüsse und Taschen angebracht, Kanten umgenäht und das Futter eingenäht.

Seine Kundin wünscht sich eine Mischung aus Stoff und Pelz. „Die Zeit, in denen der Pelz nur als Statussymbol getragen wurde, sind vorbei“, sagt der Kürschner. Heute werde der Pelz kombiniert. Das mache die Arbeit mit diesem Material so reizvoll.

Und die Kunden wollen es leicht. Während Mäntel einst noch über zwei Kilogramm wogen, kann Schachtmeyer sie heute leichter anfertigen. Dafür lässt er das Fell scheren. In jede Jacke hängt er ein Schild mit dem Gewicht.

Um die Mode im Blick zu behalten besucht von Schachtmeyer regelmäßig Messen in Mailand und Frankfurt und studiert Modezeitschriften. Die Felle selbst haben sich nicht verändert. Es werden weniger Arten verarbeitet: Nerz, Wisel, Nutria, Hamster und Lammfell.

Aber die lassen sich vielseitig verwenden. Immer wieder entwickeln Gerber neue Veredelungstechniken. Felle werden häufiger gefärbt oder durch das Entfernen der Deckhaare samtiger.

Kürzlich entdeckte von Schachtmeyer eine neue Möglichkeit der Fellverarbeitung. Der Kürschner schickt Felle nach Italien. Dort werden Muster hinein gelasert.

Da viele Pelze über Jahrzehnte geschont wurden, kann der Kürschner auch Erbstücken zu neuem Glanz verhelfen. Er nennt es Verjüngungskur. Alte Felle werden zu neuen Kleidungsstücken.

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Kürschner-Handwerk sucht dringend Nachwuchs

In Schleswig-Holstein gibt es noch 15 selbstständige Kürschnermeister. Die Unternehmer tauschen sich in der Landesinnung über Trends aus und sichern dadurch auch die Ausbildung.

Noch fehlen keine Fachkräfte. In den 80er Jahren wurde viel ausgebildet. Aus dieser Zeit gibt es noch viele Gesellen und Meister. „Wir haben 100 Lehrlinge ausgebildet. Heute sind wir froh, wenn sich jemand bewirbt“, sagt Torsten Schachtmeyer, der perspektivisch mehr Jugendliche für seinen kreativen Beruf begeistern möchte.

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Bildergalerie: Impressionen aus der Werkstatt (zum Vergrößern anklicken)

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Dieser Beitrag erschien am 18. November 2012 in den Lübecker Nachrichten im Kreis Stormarn

Das PDF:
Zum Download bitte anklicken

20121118-LN_Stormarn_Kürschner von Schachtmeier

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