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Grenzenlose Ausbildung: Was Tischler Mathias Dicomy in Finnland erlebte

Land und Leute haben Mathias Dicomy während seiner drei Wochen als Teilnehmer eines Austauschprogramms begeistert. Das finnische Ausbildungssystem tat es allerdings nicht.

Von Jens Seemann

Tischler Mathias Dicomy nutzte die Gelegenheit und verbrachte einen Teil seiner Ausbildung in Finnland. Foto: Jens Seemann

Finnische Auszubildende leben entspannter als deutsche. Mathias Dicomy kann einen solchen Vergleich ziehen. Er hat es selbst erlebt. Drei Wochen lang. Der 25-jährige Tischlergeselle aus dem mecklenburgischen Lützow packte 2011 seinen Koffer, hob mit fünf weiteren Lehrlingen in Richtung Nordeuropa ab und landete im finnischen Pori. In der 150.000 Einwohner zählenden Stadt an der Westküste gastieren regelmäßig mecklenburgische Azubis.

Sie sind Teilnehmer eines mit Mitteln aus dem europäischen Bildungsprogramm Leonardo da Vinci geförderten Austauschprogramms der Handwerkskammer Schwerin.Mathias Dicomy nutzte diese Chance. Rückblickend wäre er gerne länger geblieben. Seine persönlichen und beruflichen Erfahrungen aus dieser Zeit möchte er nicht missen. „Für mich war es eine günstige Gelegenheit, das Land, seine Menschen und die Arbeitsweisen kennenzulernen“, sagt Dicomy. Die herzliche und offene Art der Finnen begeisterte den jungen Handwerker. Die Art der Ausbildung tat es weniger. Seine Chefs musste er zuvor nicht lange bitten. Mehrfach hatten sie Azubis nach Finnland geschickt. Und finnische Lehrlinge arbeiteten im Gegenzug einige Wochen in ihren Werkstätten.

So sieht es das Konzept vor. Betriebsbesuche sind aber nur einseitig möglich. Auf finnischer Seite gibt es keine Ausbildungsbetriebe. Anders als im dualen System, wie es Dicomy aus Deutschland kennt, arbeiten finnische Lehrlinge lediglich in der Berufsschule. Wie das funktionieren kann, konnte sich Dicomy nicht vorstellen. Heute weiß er es. Überzeugt hat es ihn nicht. Die fehlenden Ausbildungsbetriebe sind der eine bleibende Eindruck. Positiv fiel ihm etwas anderes auf: „Die haben mehr Zeit. Oder besser gesagt, sie nehmen sie sich. Der Puls schlägt langsamer.“ In den ersten Tagen vermisste Mathias Dicomy das gewohnte hektische Treiben seiner heimischen Werkstätten: Arbeitsbeginn um sechs Uhr. Die Lehrlinge packen mit an. Nicht so in Pori.

Die Azubis bekamen kleinere Aufgaben. Ohne Zeitdruck. Sich darauf einzustellen, fiel den deutschen Gästen nicht schwer. Mathias Dicomy schaltete einen Gang zurück und gewöhnte sich auch an häufigere und längere Pausen. Fachlich lernte er etwas Neues: „In Finnland haben die Tischler zum Schnitzen gebogene Messer, mit denen sie, anders als in Deutschland, nicht stechen, sondern ziehen.“ Erinnerungsstücke packte er vor dem Rückflug nicht in den Koffer „Ich habe ausreichend Eindrücke“, sagt Dicomy, der wenige Monate später Finnen zum vierwöchigen Gegenbesuch in Lützow begrüßte. Dabei stellte er fest: „Die hatten richtig Freude, in unseren Werkstätten mit anzupacken.“
Klicktipp: www.grenzenlose-ausbildung-plus.eu

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