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Glücksbringern fehlt der Nachwuchs – Schornsteinfeger stehen vor Generationswechsel

Die Schornsteinfeger können und müssen ausbilden – dringend sogar. Alte Meister treten in den Ruhestand und der Nachwuchs bleibt aus. In den kommenden drei Jahren bleiben wohl 400 Lehrstellen unbesetzt. Damit sich das ­ändert, polieren die Glücksbringer ihr Image auf.

 

Von Jens Seemann

 

Bis 2016 rechnet der Landesinnnungsverband der Schornsteinfeger in Schleswig-Holstein mit einem massiven Generationswechsel. 70 der 270 Schornsteinfegermeister treten in den kommenden vier Jahren in den Ruhestand. „Bundesweit sieht es vergleichbar aus. Diese hohe Zahl an ausscheidenden Kollegen müssen wir abfedern“, sagt Thomas Albrecht, Bezirksschornsteinfegermeister aus Reinfeld und Sprecher der schleswig-holsteinischen Schornsteinfeger. Noch gäbe es keine Probleme die Meisterstellen neu zu besetzen. Gesellen, die potenziell nachrücken können, gibt es. Die dann freien Gesellenstellen zu besetzen, wird zur schwierigen Aufgabe. Dem Schornsteinfeger-Handwerk fehlen ausreichend Lehrlinge. Rund 400 Ausbildungsplätze in 8.000 Betrieben werden nach Angaben des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks bis zum Jahr 2015 unbesetzt bleiben.

„Für das im September beginnende Ausbildungsjahr haben wir noch zu wenig Lehrlinge, um eine Klasse bilden zu können“, sagt Thomas Albrecht. Der Konkurrenzkampf mit zahlreichen anderen Berufsgruppen sei spürbar und das Image verbesserungswürdig. Häufig stellte Albrecht fest, dass Jugendliche ein veraltetes Bild des Schornsteinfegers haben: „Klar sind wir ein sehr traditionelles Handwerk mit schwarzer Kleidung und Zylinder auf dem Kopf.“ Albrecht staunt, wenn Jugendliche ihn und seine Kollegen bei Ausbildungsmessen für Zauberer halten.

Das soll sich ändern. „Wir fegen nicht mehr nur die Schornsteine und bringen Glück. Heute arbeitet der Schornsteinfeger mit elektronischen Abgasanalysegeräten, Endoskopen, Technoskopen, Schornsteinkameras, Infrarotmessgeräten und bietet Gebäudeenergieberatung an“, sagt Albrecht. All das wollen die Schornsteinfeger künftig besser vermitteln. „Wir wollen zeigen, welche Verantwortung wir übernehmen. Schließlich garantieren wir die Sicherheit in den Häusern. Auch wir Meister sind deshalb in einem stetigen Lernprozess“, so Albrecht.

 

„Wir fegen nicht mehr nur Schornsteine und bringen Glück. Wir garantieren für die Sicherheit in Gebäuden und wollen das künftig besser in Richtung
der Jugendlichen vermitteln.“

Thomas Albrecht, Bezirksschornsteinfegermeister aus Reinfeld

Nicht nur auf Messen sind die Schornsteinfeger präsent. Seit einigen Monaten sind stumme Diener im Einsatz. Schornsteinfeger auf Roll-ups stehen in Schulen und bei Feuerwehren. Jugendliche können sich Flyer mitnehmen. Zusätzlich wirbt die Branche verstärkt im Internet um die Fachkräfte und Meister von morgen. Zudem ist seit 2010 der 20. Oktober der Tag des Schornsteinfegers.

Damit die Überzeugungsarbeit leichter wird, aktualisiert der Bundesinnungsverband das Berufsbild. Noch in diesem Jahr soll die überarbeitete Fassung veröffentlicht werden. Laut Albrecht müsse es das Ziel sein, den hohen Ausbildungsstandard besser in Richtung der Jugendlichen zu vermitteln. „Schließlich sind wir in der Lage, auf Augenhöhe mit vielen Partnern wie Architekten, Planern, Bauherren und anderen Gewerken zusammenzuarbeiten“, sagt Albrecht, der sich für die Zukunft gerüstet sieht. Aktuell hat er einen Lehrling. Ans Aufhören denkt der 51-Jährige noch lange nicht.

 

Dieser Beitrag erschien in der Juni-Ausgabe des Magazin NordHandwerk

 

 

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