Menü

Geigenbauer Christian Adam und der Klang kunstvoller Wölbungen

Von Jens Seemann

Geigenbaumeister Christian Adam aus Ahrensburg bei der restauration einer alten Geige in seiner Werkstatt

Geigenbaumeister Christian Adam aus Ahrensburg bei der Restauration einer alten Geige in seiner Werkstatt

Ahrensburg. So gutes Holz bekommt man nur mit viel Glück. Christian Adam besitzt es. In seinen Händen hält der Geigenbaumeister aus Ahrensburg eine Platte aus bosnischem Bergahorn. Der ist in Höhen über 1000 Metern langsam gewachsen und eignet sich durch seine Härte ideal zum Bau einer Geige.  Die Umrisse hat er schon auf die Rückseite gezeichnet.

„Dieses Holz ist nicht nur wegen seiner Härte ganz besonders – es ist zudem 150 Jahre abgelagert“, sagt der Meister.

Die Enkel eines verstorbenen Geigenbauers hatten es in einer Garage gefunden und Adam verkauft.

Den Holzstapel wird er noch für viele Instrumente nutzen können. Adam bedauert, dass er nur noch selten komplette Instrumente baut. Dafür fehle ihm die Zeit. Für eine Geige benötigt er 250 Stunden – für ein Cello sind es 500. Durch die Reparaturen und den Verleih kommt er kaum dazu.

“Immer wieder haben Tüftler Vorschläge für neue Formen entwickelt, doch geblieben ist die Geige wie sie seit mindestens Ende des 15. Jahrhunderts gebaut wird.”

Mit der Rückseite seines Zeigefingers klopft Adam gegen das Holz. Der Laie hört das Klopfen. Der Experte  beschreibt den Klang als klar und glockenartig.

Christian Adam muss die Geige nie neu erfinden. „Immer wieder haben Tüftler Vorschläge für neue Formen entwickelt, doch geblieben ist die Geige wie sie seit mindestens Ende des 15. Jahrhunderts gebaut wird. In einer italienischen Kirche hat man ein Wandbild aus dem Jahr 1480 gefunden, das die Geige in seiner heutigen Form zeigt“, sagt Adam.

Lediglich die Techniken der Verarbeitungen sind von Meister zu Meister unterschiedlich.

Über Adams Werkbank hängen spezielle Halseisen und Hobel jeder Größe. Mit denen bearbeitet er fast alle Teile. Um die richtigen Wölbungen herzustellen, muss er mit Bedacht vorgehen und das Holz unter eine Lampe halten. Anhand der Schatten erkennt er die Form und weiß, wo er nachbessern muss.

Damit die Geige nicht zu dick oder dünn wird, nutzt der Ahrensburger einen Magneten, der an einer Feder hängt. Die zieht er hoch. Wenn der Magnet sich löst, erkennt Christian Adam die Dicke des Holzes.

Wenn der Geigenbauer nach Tagen alle rund 30 Teile angefertigt und zusammengesetzt hat, beginnen die Feinarbeiten. Mit geheimen Mischungen für die Grundierungen und den Lack veredelt er das Instrument und beeinflusst den späteren Klang. Testen kann er es erst, wenn die Geige komplett ist.

„Um das zu können, sollte man ein Streichinstrument spielen können“

Der Meister selbst beschreibt den Klang seiner eigenen Instrumente mit gesanglich und tragfähig. Beim Stimmen der Instrumente nutzt er nicht nur Bögen mit den teuersten Pferdehaaren. Adam nutzt sein Gehör.

„Um das zu können, sollte man ein Streichinstrument spielen können“, sagt der studierte Geiger. Regelmäßig spielt er seit Jahrzehnten national und international in Orchestern. Zahlreiche der rund 400 wertvollsten Geigen aus der Werkstatt des Italieners Stradivari durfte er in seinem Arbeitslebens bereits anspielen und auch reparieren. Am wertvollsten war bislang ein Cello aus dem Hause Guarneri. „Das war mit 12 Millionen Dollar versichert. Das sind aber Kunstmarktpreise.“, sagt der Fachmann, der eine selbstgebaute Geige spielt. „Deren idieller Wert ist so hoch, dass ich sie nie verkaufen würde“, sagt Christian Adam.

————————–

Die ersten Töne

Immer häufiger leihen sich Kunden bei Christian Adam eine Geige aus. Ursprünglich hatte er 50 Leihinstrumente. Heute sind es 700. Sogar für die Minis ab drei Jahren hat er kleine Geigen. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sie dann ihre ersten Töne spielen“, sagt Christian Adam. In den Wintermonaten hat er viele seiner Instrumente für Wartungen und Reparaturen in der Werkstatt. Da die Heizungsluft meist zu trocken ist, beginnen die Instrumente zu reißen. jes

——————————–
Bildergallerie: Impressionen aus der Werkstatt
zum Vergrößern anklicken

———————————-

Dieser Beitrag erschien am 09. Dezember 2012 in den Lübecker Nachrichten im Kreis Stormarn

Das PDF zum Download:

20121216_LN_Stormarn_Geigenbauer Adam

———————————

Eine Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

UA-51395940-1