Menü

Eine Hommage an die Frau

Von Jens Seemann

 

Ahrensburg. Ihr Blick schweift von einem silbernen Ring hin zu einer goldenen Kette und hinüber zu einem Paar Ohrringe. Heike Gödeke schaut, wo die Augen der Kundin länger verweilen. Das alleine reicht der Goldschmiedemeisterin aus Ahrensburg nicht aus, um der Kundin ein Schmuckstück zu empfehlen. „Es kommt auf die Persönlichkeit an und dazu schaue ich mir auch die Kleidung und den Schmuck an, den die Kundin schon trägt“, sagt Heike Gödeke. Später wird sie der Frau einen Ring mit kleinen Steinen empfehlen, den sie ihr anfertigt.

Nicht alle nehmen ihre Schmuckstücke sofort mit. Heike Gödeke verkauft Stücke aus eigenen Kollektion. „Da der Schmuck eine Hommage an die Kundin sein soll, berate ich sehr gerne und fertige es dann individuell an“, sagt Gödeke.  Mit den Jahren hat sie rund 1000 Musterstücke angefertigt, die Ihr als Anregungen dienen.

Vom Verkaufstresen tritt sie zwei Schritte zurück und setzt sich auf den Stuhl ihres Arbeitsplatzes. Gemeinsam mit fünf weiteren Goldschmieden arbeitet sie an einem runden Tisch – immer unter den interessierten Blicken der Kunden. Die sehen funkelnde Metalle und Steine und hören das Schleifen, Hämmern und Sägen.

„Bei uns ist selbst der Abfall des Schleifens wertvoll. Goldstaub, andere Metalle und Edelsteine fange ich darin auf“

Flammen von Gasbrennern lodern an jedem der kleinen und kompakten Plätze. Diese benötigen Goldschmiede zum Löten und Erhitzen. Zum Polieren eines Ringes nutzt Heike Gödeke ein Multifunktionsgerät. Wenn sie die Aufsätze wechselt, kann sie damit auch bohren. Links und rechts von sich hat sie eine Vielzahl von  Zangen aufgereiht. Über ihrem Schoß ist ein halbrundes Ledertuch aufgespannt. „Bei uns ist selbst der Abfall des Schleifens wertvoll. Goldstaub, andere Metalle und Edelsteine fange ich darin auf“, sagt Gödeke. Regelmäßig werden die Reste in eine Scheideanstalt geschickt, die sie dann wieder trennt. Die Goldschmiedin hat dort dann Konten für unterschiedliche Metalle.  Sie muss keine neuen Rohstoffe verwenden.  Und sie weiß, dass sie umweltverträglich in Deutschland geschieden und auch wieder verkauft werden. „Durch meine Arbeit müssen keine Kinder arbeiten. Und es werden keine Landstriche mit Quecksilber verseucht.“

——————

————————-

Doch die Reste kann sie immer nur Kiloweise wegschicken. Dafür müsste das Team lange feilen, sägen und schleifen. Beim Blick auf den Goldkurs, der pro Gramm alten liegerten Golds aktuell rund 36 Euro beträgt, würden so sehr lange Werte ungenutzt in den Ledertüchern lagern. Deshalb freut sich die Goldschmiedin über Kunden, die ihren alten Schmuck zu Geld machen wollen. Diese Stücke schickt sie dann mit einschicken.

Die Gründe Altgold zu verkaufen, sind sehr unterschiedlich. Entweder hat sich der Geschmack verändert. Oder es sind Erbstücke, wie in dieser Tüte, zweier älterer Damen, die gerade in den Laden kommen.

„Den ideellen Wert kann ich nicht bemessen. Ich bewerte in solchen Fällen den Materialwert“

Heike Gödeke hängt ihren Polierer in seine Halterung, legt den Ring zur Seite und wirft einen Blick auf die Schätze aus Gold und Silber. Tragen wollen die Damen sie nicht. Und neuen Schmuck benötigen sie nicht. Gödeke soll den Wert ermitteln. „Den ideellen Wert kann ich nicht bemessen. Ich bewerte in solchen Fällen den Materialwert“, sagt Gödeke. Brillianten und Edelsteine fasst sie aus und überlässt sie den Kunden.

Oft hat sie bei der Farbgebung und Härte der Metalle eine Ahnung. Damit sie die Legierung, also die Mischung der Metalle, exakt bestimmen kann, greift sie in eine Schublade und zieht eine kleine Kiste mit Fläschchen heraus. Sie enthalten Salpetersäure, Salzsäure und Schwefelsäure. Vorsichtig reibt die Fachfrau jedes Schmuckstück über ein Schiefertäfelchen. Dann tropft sie die Flüssigkeiten nach und nach auf den Abstrich und wartet bis eine Flüssigkeit verschwindet oder sich verfärbt.

Anschließend bestimmt sie das Gewicht bis auf drei Stellen hinter dem Komma. Der Wert verändert sich stündlich. Das erkennt sie am Computer. Dort sieht sie die Goldkurs – eine schwankte Kurve mit einer Tendenz nach oben.  Deutlich zu erkennen ist der Tag der Präsidentenwahl den USA, an dem der Kurs in die Höhe schnellte. Gödeke nennt den Kundinnen einen Preis und empfiehlt ihnen mindestens zwei weitere Angebote einzuholen. „Das ist nur fair“, sagt sie.

 

————————–

Drei Meister in einer Werkstatt

Da es die Goldschmiede Gödeke schon seit 1929 gibt, können die heutigen Handwerker auf einen Fundus vieler alter Werkzeuge zurückgreifen. „Viele Punzen zum veredeln von Oberflächen bekommt man heute kaum noch“, sagt Heike Gödeke, die eine von drei Meistern im Betrieb ist. Mit moderner Lasertechnik können die Schmiede zudem komplexe Lötarbeiten durchführen und damit insbesondere alten Schmuck reparieren und retten.

 

———————————-

Dieser Beitrag erschien am 13. Januar 2013 in den Lübecker Nachrichten im Kreis Stormarn

Das PDF:
Zum Download bitte anklicken

20130113_LN_Stormarn_Goldschmied Gödeke Ahrensburg

———————————

Eine Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

UA-51395940-1