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Der weltgrößte Würfelbecher

Von wegen alt und verstaubt – 20 junge Sattlermeister hatten eine großartige Werbeidee. Gemeinsam nähten sie den weltweit größten Würfelbecher im Format 1:10.

Von Jens Seemann

Sattlermeister Del Kägebein aus Parchim baute gemeinsam mit den Jungmeistern den weltweit größten Würfelbecher. Foto: Jens Seemann

 

Von Jens Seemann

Die Würfel sind gefallen. Es ist amtlich und beurkundet. 20 jungen Sattlermeistern ist mit dem Bau eines Würfelbechers im XXL-Format der große Wurf gelungen. Gemeinsam nähten sie den größten Würfelbecher der Welt. Er ist 92 Zentimeter hoch und hat einen Umfang von 230 Zentimetern. Einen größeren,  handgefertigten Becher gibt es nicht. Das bestätigten die Verantwortlichen des Guinnessbuches und schickten den Handwerkern gut ein Jahr nach ihrem Weltrekordversuch eine Urkunde aus London zu.

Was 2009 bei einem Jungmeistertreffen am Tresen als Schnapsidee begann, entwickelte sich zur komplexen Aufgabe. Der Jungmeisterkreis sind Sattlermeister aus ganz Deutschland im Alter bis zu 45 Jahren. Einmal im Jahr treffen sie sich zum Erfahrungsaustausch und Fortbildungen. Sie suchten nach einer werbewirksamen Aktionen für ihr Handwerk. Ein  Würfelbecher sollte es werden. Den kennt jeder und Sattler müssen ihn schon während ihrer Ausbildung nähen können – egal ob sie im Reitsport, mit Planen oder in Fahrzeugen arbeiten.  „Solch einen Becher riesig anzufertigen schien uns die passende Aktion, unser traditionsreiches, aber auch hochmodernes Handwerk, das schon oft totgesagt wurde, in der Öffentlichkeit zu präsentieren“, sagt der Oberhausener Sattlermeister und Vorsitzende des Jungmeisterkreises Timo Grothe.

Ein Jahr lang bereiteten die Sattler ihr Projekt vor, um es 2010 in England als Idee einzureichen und 2011 zu verwirklichen.  Den handelsüblichen Becher zu vergrößern, schien machbar. Doch die Guinness-Regeln sind streng. „Da kannst du nicht einfach mal nach Belieben einen überdimensionalen Becher nähen. Guinness macht die Vorgaben. Wir mussten ihn im Maßstab 1:10 anfertigen und das mit Fotos und Videos dokumentieren“, sagt der 35-jährige Sattlermeister Del Kägebein, aus dem mecklenburgischen Parchim.

Kägebein zählte zum 20-köpfigen Team, das sich einen Tag lang in einer großen Sattler-Werkstatt nahe Augsburg traf. Ein zeitliche Beschränkung gab es nicht. Die Sattler setzten sich sechs Stunden als Ziel und brauchten am Ende rund zehn.

Im ersten Schritt wurden die Materialien mit Hilfe von Computertechnik geschnitten. Anschließend waren alle weiteren Schritte Handarbeit.

Während die einen nähten und klebten, mussten die anderen die nächsten Arbeitsschritte planen und das nötige Material berechnen. Als Vorlage diente ein normaler Würfelbecher, den sie vorab anfertigten.

Der vom Guinnessbuch vorgegebene Maßstab bezog sich nicht nur auf die Höhe und den Durchmesser. Auch die Dicke der Wände und des Bodens musste zehnmal stärker sein als die des handelsüblichen Würfelbechers. Um das zu realisieren reichten mehrere übereinander geklebte Lederschichten nicht. Dazwischen klebten die Sattler Kunststoff.

Schließlich reichten die Vorgaben so weit, dass auch die Abstände der abschließenden Naht die Vorgaben des Maßstabes erfüllen mussten. Vor jedem Stich maßen sie die Abstände der Löcher. Seit dem letzten Stich ist der Becher auf Reisen und wird in den kommenden Jahren in zahlreichen Werkstätten der Jungmeister ausgestellt.

 

Dieser Beitrag erschien in der Mai-Ausgabe des Magazin NordHandwerk

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