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Klavierbauer Bernd Balbierski ist der Meister des guten Klangs

Von Jens Seemann

Bernd Balbierski beim Stimmen eines Flügels.

Ahrensburg. Noch klingt ihm der Ton zu hart und blechern. Bernd Balbierski zieht die Klaviatur erneut aus dem Flügel. Vor sich hat er 88 schwarze und weiße Tasten – und ebenso viele kleine und große Holzhämmerchen mit Filzköpfen. In die sticht der Ahrensburger mit feinen Nadeln -immer und immer wieder. Dann schiebt er die Klaviatur in den Flügel, drückt die Taste erneut und hört, ob der Ton jetzt strahlend und wärmer klingt. Balbierski ist zufrieden und sticht in den nächsten Hammerkopf. So geht es Ton für Ton, Hammerkopf für Hammerkopf. Bis der Klavierbaumeister das Gefühl hat, dass es richtig klingt. Dafür verzichtet er in der Regel auf Messgeräte und vertraut seinem Gehör.

Der Laie nimmt die Unterschiede zwischen einem scharfen, harten, blechernden Ton und einem strahlend, warmen Ton kaum bewusst war – Balbierskis Kunden schon. Häufig sind es Künstler, deren Flügel er vor Konzerten stimmt und intoniert. Beim Stimmen sorgt er dafür, dass die Töne in einer Oktave harmonieren. Das Intonieren hingegen ist die hohe Kunst seines Handwerks. Bei neuen Klavieren oder Reparaturen benötigt er für die Arbeit mit den Nadeln bis zu drei Tage. Bei Instrumenten, die im dauerhaften Konzertdienst sind, geht es schneller. Die werden häufig einmal im Monat gestimmt. „Dann reichen kleinere Korrekturen“, sagt der Fachmann.

Der Flügel, den er gerade intoniert, steht nicht in einem Konzertsaal. Er steht in Balbierskis Ahrensburger Werkstatt. Das Instrument ist fast 100 Jahre alt. Es glänzt und klingt wie am ersten Tag. Bis dahin war es ein langer Weg. Solche Reparaturen zählen zu Balbierskis Hauptaufgaben. Zu geringe Luftfeuchtigkeit ließ das Holz des Resonanzbodens reißen. Der Klavierbauer besserte es aus. Komplette Klaviere und Flügel baut er nicht. Und andere einzelne Klavierbaumeister in der Regel auch nicht. „Die Planung und Ausführung dauern bis zu drei Jahre. Für einen Flügel. Das wird unbezahlbar. Den Bau überlassen wir den großen Firmen“, so Balbierski.

Der 43-Jährige erlernte sein Handwerk in einer solchen Firma in Hamburg, bei Steinway & Sons. Von diesen Traditionsfirmen gibt es bundesweit nur noch eine handvoll. Das sah zur Blütezeit der Klaviere, in den 20er bis 30er Jahren, anders aus. In vielen Städten gab es kleine und große Werkstätten. Doch die Branche litt unter der jüngsten Wirtschaftskrise. Zahlreiche, bis zu 150 Jahre alte Traditionsfirmen, mussten aufgeben.

„Ich liebe diese Mischung aus intensivem Kundenkontakt und der Arbeit mit Holz, Metall, Filz und Kunststoff“

Und es fehlt der qualifizierte Nachwuchs. Einzelkämpfer wie Balbierski können ebenso wenig ausbilden wie einige Fabriken. Er selbst lernte den kompletten Bau von Flügeln. Er kennt die nahezu 12.000 Teile und hat es gelernt das wertvolle harte und den Ton tragende Hochgebirgs-Fichtenholz aus den nordamerikanischen Wäldern zu verarbeiten. „Ich liebe diese Mischung aus intensivem Kundenkontakt und der Arbeit mit Holz, Metall, Filz und Kunststoff“, sagt Balbierski, der mit 13 Jahren Klavierbauer werden wollte und es bis heute aus Leidenschaft ist.

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Dämmung schadet Klavieren

Die größten Feinde eines Klaviers und Flügels sind aus der Sicht von Klavierbaumeister Bernd Balbierski Dämmungen und Fußbodenheizungen. Die Luftfeuchtigkeit sinkt auf unter 30 Prozent. Die Instrumente benötigen im Optimalfall 70 Prozent. Das Holz reißt. Bevor er die Schäden beheben kann, simuliert der Meister den Ernstfall bis zu zehn Tage mit einem Ölradiator. Auf diese Weise verhindert wer, dass wenig später neue Risse auftreten.

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Impressionen aus der Werkstatt

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Dieser Beitrag erschien am 28. Oktober 2012 in den Lübecker Nachrichten im Kreis Stormarn

Das PDF zum Download:

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