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Mit den Produkten von Sattler Jörn Witte fühlen sich Pferd und Reiter wohl

Von Jens Seemann

Ein Blick in die Werkstatt von Sattlermeister Jörn Witte

Trittau. Gesundheit und Sicherheit für Pferd und Reiter sind zwei zentrale Aspekte in der Arbeit von Sattlermeister Jörn Witte. Nicht sicher ist der Sattel, der vor ihm liegt. Ein kurzer Blick des Meisters genügt: „Da war ein Pfuscher am Werk. Das ist lebensgefährlich.“ Die Sattelstrupfen für den Sattelgurt, sind notdürftig genäht und genietet. An einigen Stellen reißen sie sogar wieder auf. „So hätte der nicht aufs Pferd gedurft“, ärgert sich der Sattlermeister. Diese wird er erneuern. An solch einer Stelle bessert er nicht aus. Er trennt die Strippe ab und erneuert sie.

Dafür nutzt er alte Nähtechniken. Er spannt Zaumzeug in sein Nähross ein. An einem Faden hat er an jeder Seite eine Nadel. Er sticht die Löcher vor und zieht je eine Nadel von oben und unten durch das Leder. Fester als jede Maschine kann er die Nähte zusammenziehen.

Sättel wie diese sind sein Tagesgeschäft. Ganze Sättel zu bauen, wäre für den Kunden kaum mehr bezahlbar. Von Jörn Witte werden sie repariert und umgearbeitet und wenn möglich angepasst.

Die Zeiten, in denen Sattler als Alleskönner an Pferdegeschirr, Autos und Polstermöbeln arbeiteten, sind vorbei. Mittlerweile gibt es drei Fachrichtungen: Fahrzeugsattler, Reisportsattler und Feintäschner.

„Der Sattel ist wie ein Kleidungsstück. Das Pferd muss sich darunter und Reiter drau wohlfühlen“

Viel Zeit verbringt Jörn Witte außerhalb seiner Trittauer Werkstatt. Um Sättel anpassen zu können, muss er Pferd und Reiter begutachten. „Der Sattel ist wie ein Kleidungsstück. Das Pferd muss sich darunter und Reiter drauf wohlfühlen“, sagt Witte. Zunächst stellt er die immer selben Fragen nach dem Alter, Trainingszustand, Krankheit, Trainingsintensität oder ob es länger gestanden hat. So kann er abschätzen wie viel Muskulatur vorhanden sein müsste.

Doch das alleine reicht nicht. „Meist schaue ich mir gerne das Pferd in der Bewegung an – sprich an der Longe, ohne und mit Sattel sowie mit dem Reiter drauf“ sagt Witte. So erkennt er Bewegungsabläufe und sieht welche Muskeln frei bleiben müssen. Obwohl der Sitz des Sattels auch vom Können des Reiters abhängt, bildet sich Jörn Witte in diesem Punkt kein Urteil: „Ich bin selbst Freizeitreiter und nehme mir das nicht heraus“, sagt Witte, der seit 1998 Meister seines Handwerks ist und seine Werkstatt seit 20 Jahren in Trittau betreibt. Mit Hilfe seines Halbmondmessers, Kantenziehern, Locheisen, Schärfmessers bearbeitet er dort die Sättel. In vielen Schubladen hat er Knöpfe, Schnallen und Schlaufen, die er verarbeitet. „Obwohl ich das jetzt schon 30 Jahre mache, kommen immer wieder neue Anforderungen.“, sagt der Sattler und beginnt wieder konzentriert zu nähen – damit der Reiter später sicher im Sattel sitzt.

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Das Sattlerhandwerk im Wandel der Zeit

Die Urspünge des Sattlerberufes gehen bis in die Urzeit zurück, denen gegerbte Felle und Häute zur Ausstaffierung ihrer Wohnstätten dienten. Das Sattlerhandwerk entwickelte sich aus den Berufen der Beutler, Nadler, Gürtler, Riemer und Täschner. Als die Pferde während der Industrialisierung praktisch überflüssig wurden. mussten viele Sattler ihr Gewerbe aufgeben. In den vergangenen 35 Jahren erfuhr der Beruf Wiederbelebung durch die Nutzung von Pferden im Hobby- und Sportbereich ein Wiederbelebung.

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Impressionen aus der Werkstatt

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Dieser Beitrag erschien am 04. November 2012 in den Lübecker Nachrichten im Kreis Stormarn

Das PDF zum Download:

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