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Bei Haider Rafiq sind wertvolle Orientteppiche in guten Händen

Von Jens Seemann

Haider Rafiq beherrscht viele alte Knüpftechniken mit denen er teppiche repariert

Haider Rafiq beherrscht viele alte Knüpftechniken mit denen er teppiche repariert

Ahrensburg. Ein Blick auf das Muster und die Farben reicht ihm nicht. Haider Rafiq nimmt den Teppich zwischen die Finger und fühlt den Stoff. Er ertastete die Knoten und ist sich sicher: „Der kommt aus dem östlichen Iran“

Seine Bewertungen sind bedeutend – für Privatkunden und Versicherungen. Rafiq ist Sachverständiger für Orientteppiche. Er bewertet den Wert, das Alter, die Herkunftsländer, Feinheiten und schreibt Gutachten für Schadensfälle.

Für Haider Rafiq gibt es den typischen Perserteppich nicht. Eines seiner Kriterium: er muss handgefertigt sein. Eine Karte in seinem Büro lässt erahnen wie groß die Vielfalt ist. Sie zeigt Russland, China, Nepal, Indien, Afghanistan, den Iran, Türkei und Parkistan. Rafiq weiß, wie dort geknüpft und geknotet wird.

Anhand von Mustern und Knüpftechniken bestimmt er das Herkunftsland. Und das ist noch nicht alles. Er kann dem Kunden sogar sagen aus welcher Region, welcher Stadt oder welchem Dorf der Teppich stammt. Rafiq selbst ist Afghane. Seit 38 Jahren lebt er in Deutschland. Lange arbeitete er im Großhandel für Teppiche im Hamburger Hafen. „Das war die beste Schule“, sagt er. Vor 30 Jahren gründete er seine Teppichwäscherei in Ahrensburg. Rafiq legt Wert darauf, dass Teppiche bei ihm nicht gereinigt, sondern auf traditionelle Weise gewaschen werden – wie in den Herkunftsländern. Zwar könne man mit Staubsaugern den oberflächlichen Dreck aus dem Teppich holen. Doch bis zu den Knoten dringt selbst der beste nicht vor. Durch den Dreck werden die Knoten immer härter und reiben auf. Deshalb empfiehlt der Fachmann eine jährliche Reinigung.

In Rafiqs Halle stapeln sich dutzende aufgerollte Teppiche. Ein dumpfer Ton hallt durch den Raum. Es ist die Klopfanlage. In sie hängt Haider Rafiq die Teppiche vor dem Waschen. So befreit er einen 12 Quadratmeter großen Teppich von 20 Kilogramm Sand und Dreck. „So wird der Teppich nicht nur leichter, sondern auch geschmeidiger“, sagt Rafiq.

Gemeinsam mit seinen drei Angestellten wäscht er die Teppiche gründlich. Zum Trocknen werden sie in in einen speziellen Raum aufgehängt und nach 24 Stunden erneut geklopft.

Doch Teppiche werden in Ahrensburg nicht nur sauber. Sie werden aus repariert und restauriert. Da Haider Rafiq seit seiner Kindheit in Afghanistan Teppiche knüpfte, beherrscht er die unterschiedlichsten Techniken. Am Rande seiner Arbeitsfläche stapeln sich Wolle und Seide verschiedenster Farben und Herkunft. Besonders reizen ihnen Brandschäden. Die sind schwarz, verfärbt. „Ich bin dann stolz, wenn sie am Ende wieder im alten Glanz erstrahlen“, sagt Rafiq.

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So bewertet der Fachmann Teppiche aus aller Welt

Häufig kommen Kunden zu Haider Rafiq, um ihren Teppich bewerten zu lassen. Für ihn ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal die Feinheit der Verarbeitung. Beim Knüpfen und Knoten wird die Wolle und Seide unterschiedlich fest verarbeitet. Das ist entscheidend für den späteren Preis. „Jede Region knüpft unterschiedliche Feinheiten. Je feiner die Teppiche geknüpft sind, umso länger dauert die Herstellung. Diese Teppiche sind wertvoller“, sagt Rafiq.

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Bildergallerie: Impressionen aus der Werkstatt (zum Vergrößern anklicken)

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Dieser Beitrag erschien am 25. November 2012 in den Lübecker Nachrichten im Kreis Stormarn

Das PDF:
Zum Download bitte anklicken

20121125_LN_Stormarn_Teppichreinigung_Rafiq

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