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Ausbildungsass setzt auf Trumpfkarte Praktikum

Tornesch. Eine Ausbildung in der Firma Loll Feinmechanik ist anders. Sie ist ein Mix der Vielfalt klassischer Ausbildungsinhalte und regelmäßiger Projekte, in denen die Jugendlichen eigene Produkte planen, umsetzen und präsentieren. Sogar Ausbildungsclips fürs Internet drehen die Azubis selbst. Die Ausbilder wollen den Nachwuchs begeistern, deren Kreativität wecken und sie so an das Familienunternehmen binden.

Regulär lernen die Jugendlichen in Tornesch das Fräsen, Drehen, Profilschleifen, Drahterodieren, Verzahnen und Strömungsschleifen – auf traditionelle Weise und computergesteuert. Zudem erhalten sie Einblicke in die zukunftsweisende Robotertechnologie.

Diese Vielfalt begeisterte jüngst auch eine Fach-Jury, die die Firma für ihr Konzept des „All-in-One-Praktikums“ im Bereich Handwerk als bundesweites Ausbildungs-Ass auszeichnete. Es ist innovativ und ein bedeutender Baustein des gesamtes Ausbildungskonzeptes.

Ausbildungsquote: 16 Prozent
Derzeit beschäftigt die Firma  226 Mitarbeiter, von denen 37 Auszubildende und Studenten sind. Die Quote liegt mit 16 Prozent weit über dem Bundesschnitt von etwa sechs Prozent.
Ausbildung ist heute die Trumpfkarte der 1946 gegründeten Firma. Mittlerweile produzieren die Feinwerkmechaniker an 90 Maschinen auf 8.000 Quadratmetern Fläche in zahlreichen Hallen Einzelteile und Kleinserien für die Luftfahrttechnik, Erdölindustrie, Zigarettenindustrie, Analysetechnik, Medizintechnik und Verteidigungstechnik. Dafür wird qualifiziertes Personal benötigt – heute und in den kommenden Jahren. Und das Konzept geht auf. Schon heute übernimmt die Firma 90 Prozent der Azubis.

Eigene Ausbildungshalle
Sie werden behutsam an die Produktion und die technischen Herausforderungen herangeführt. Die meiste Zeit ihrer Lehrjahre verbringen die angehenden Feinwerkmechaniker im betriebseigenen Ausbildungszentrum, das es seit 1999 gibt. Im Jahr 2002 wurde es auf seine heutige Größe erweitert und bietet so viel Platz, dass die Lehrlinge der ersten beiden Jahre ausschließlich dort arbeiten können. Von drei Ausbildern werden sie frühzeitig an die Produktionsabläufe herangeführt. An traditionellen und modernen Maschinen erlernen sie die Grundfertigkeiten und können sich ausprobieren. Ab dem dritten Jahr durchlaufen sie alle Abteilungen der Produktion. Da die Firma vor Ort eine solche Fülle bietet, wurde sie 2006 von den überbetrieblichen Ausbildungslehrgängen befreit.

Kaum Bewerbungen – neue Lösung
Trotz dieser perfekten Rahmenbedingungen bewarben sich immer weniger Schüler. Auf Messen trafen die Ausbilder häufig Jungen und Mädchen, die den Beruf schlichtweg nicht kannten. Das musste sich ändern.
Deshalb suchte Christina Bichel, Leiterin des Personalbereichs, nach neuen Möglichkeiten. Sie setzte sich zum Ziel, die Praktikumszeit interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten. Ihre Idee: In zwei Wochen lernen die Jugendlichen fünf Berufe kennen. Gerade für Schüler, die noch nicht wissen, was sie beruflich machen möchten.
Mit ihrer Idee begeisterte sie den Famila-Markt in Uetersen, die Riewesell GmbH, den Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Schleswig-Holstein e.V. und die Barmer GEK. Gemeinsam riefen sie das bundesweit einmalige „All-in-One-Praktikum“ ins Leben.
Auf der gemeinsamen Internetseite www.allinone-praktikum.de erhalten die Jugendlichen Informationen über die Berufsbilder und Firmen. Anschließend bewerben sie sich per E-Mail und Post. Bis zu 16 werden ausgewählt. Gemeinsam besuchen alle in der ersten Woche vier Betriebe. Abgerundet wird die Woche mit einem Seminar bei der Barmer GEK: „Gesund und fit in deine Zukunft für einen stressfreien Start ins Berufsleben.“ Anschließend entscheiden sie, in welchem Beruf sie in der zweiten Woche mit anpacken wollen.

Kopieren erwünscht
In diesem Jahr wurde das Praktikum exklusiv mit zwei Schulen der Region durchgeführt. Doch mittlerweile wollen sich auch weitere daran beteiligen. Sogar andere Berufsgruppen äußerten Interesse an einer Zusammenarbeit. Ob es zu einer Ausweitung kommen wird, weiß Christina Bichel noch nicht. Eines stellt sie aber klar: Das All-in-One-Praktikum darf gerne von anderen Firmen kopiert werden, um gemeinsam für die handwerkliche Ausbildung zu werben.

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Die Ausbildungs-Asse 2014

Unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zeichneten die Wirtschaftsjunioren, die Junioren des Handwerks und die Inter-Versicherung im November die zehn besten Ausbilder Deutschlands aus. Unterschieden wurde in den Kategorien Handwerk, Industrie, Handel und Dienstleistungen sowie Ausbildungsinitiativen. Insgesamt erhielten die Preisträger 15.000 Euro.

Gewinner in der Rubrik Handwerk

1. Platz – Loll Feinmechanik GmbH aus Tornesch
2. Platz– Michael Grübel Trocknungsfachbetrieb aus Bielefeld
3. Platz – Ihre kleine Backstube aus Bergholz-Rehbrücke
Sonderpreis: Pianobau Marcus Hübner aus Trier.

Mehr über die Gewinner: www.ausbildungsass.de

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