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Arbeiten im XXL-Kühlschrank

Ihnen vertrauen die Bauern. Die Kälteanlagenbauer der Firma Fieles aus Dithmarschen sind Experten der kühlen Lagerung von Gemüse. Sie tragen viel Verantwortung

Es ist Erntezeit zwischen Nordsee, Eider, Elbe und Nord-Ostsee-Kanal. In Dithmarschen, dem europäischen Kohlanbaugebiet schlechthin, ertrecken sich fruchtbare Marschflächen.
Das Anbaugebiet für Gemüse entspricht mit  rund 4.000 Hektar einer Fläche von 5.600 Fußballfeldern. Besonders viel Platz benötigen die Landwirte für den Weißkohl (1929 Hektar). Pro Saison ernten sie 88 Millionen Köpfe. Das entspricht rund 223.000 Tonnen und somit 44 Prozent der gesamten deutschen Ernte.

Kohltage: Startschuss zur Ernte
Seit 28 Jahren geben die Bauern im September den Startschuss der Dithmarscher Kohltage.  Während zeitgleich die Bayern im Süden auf dem Oktoberfest Bierfässer anstechen, schneiden die Schleswig-Holsteiner im Norden den Kohl an.
Drei Wochen sind seither vergangen. Hunderte  Erntehelfer haben keine Zeit zum Feiern. Während tausende Gäste in die Region strömen, Bauernmärkte besuchen, deftiges Kohlbrot und Kohl in allen Variationen probieren,  schneiden und verladen sie den Kohl. Kunden im In- und Ausland, Frischemärkte, die Salatindustrie und Sauerkrautfabriken warten auf die Ware.

Ohne Kühlung geht es nicht
Doch das Geschäft der etwa 250 Bauern hat sich verändert. Einerseits können sie binnen Tagen mit Hilfe modernster Technik riesige Mengen ernten. Andererseits ist es unmöglich geworden, diese innerhalb weniger Monate frisch und ertragreich zu verkaufen. In traditionellen Außenlagern würden Kohl und Möhren spätestens bis zum Jahreswechsel verderben.

Schmied Holger Meltzer

Schmied Holger Meltzer in seiner Werkstatt

Deshalb erweiterten die Landwirte die Kapazitäten ihrer Kühlhäuser. So können sie flexibel reagieren. Denn das ist nötig. In den vergangenen Jahren schwankte der Kilopreis für Weißkohl zwischen acht und 40 Cent. Deshalb spekulieren sie wie an der Börse.
Umso wichtiger ist die perfekte Lagerung. „Jeder Landwirt möchte seine Ware nach Monaten wie frisch verkaufen. Wir müssen die Kühlhäuser perfekt planen, bauen und einstellen“, sagt Klaus Oelrichs. Er ist Geschäftsführer der Firma Dithmarscher Kältetechnik Fieles aus Marne und gerade viel unterwegs. Letzte Kühlhäuser werden fertiggestellt, andere überprüft und eingestellt – wie dieses auf einem Biohof.
Um deren Tür öffnen zu können, muss Klaus Oelrichs den Griff mit beiden Händen anpacken. Vor ihm erstreckt sich die Halle auf 42 Metern Länge, 25 Metern Breite und sieben Metern Höhe  – wie ein riesiger Kühlschrank. Den haben Bauleiter Jens Meier und sein Team in den vergangenen Tagen errichtet. Die Wände sind so hoch, dass sie die speziellen Paneelen nur mit Hilfe von Hebebühnen befestigen konnten. Sie verlegten Rohre und Abflüsse, zogen Kabel und schlossen alles an. Jetzt hallt das Brummen der Kompressoren durch die Halle. Sie laufen im Testbetrieb.
Klaus Oelrichs weht ein kühler Wind entgegen. Mit einem Feuerzeug testet er, wie hoch der CO2-Gehalt der Luft ist. Es bleibt an. Beim Betreten besteht für ihn keine Gesundheitsgefahr.
In der Halle sind seine Mitarbeiter in Eile. Während der Landwirt auf den Feldern erntet, verlässt er sich auf die Zusage, 1.800 Kisten mit jeweils etwa 800 Kilogramm Möhren in wenigen Tagen einlagern zu können. Spätestens dann sind seine beiden älteren Hallen voll.
Der Zeitdruck ändert nichts an Klaus Oelrichs‘ norddeutscher Gelassenheit. Die Erfahrung lässt ihn die Ruhe bewahren: „So ist die Ernte.“ Daran habe er sich gewöhnt. Oelrichs ist seit seiner Ausbildung 1978 im Betrieb. Seit der Firmengründung 1952 habe sich das Unternehmen zu einem international anerkannten Kältefachbetrieb mit derzeit 40 Mitarbeitern entwickelt. Heute planen, bauen, warten und reparieren sie vom Kühlschrank bis zur riesigen Anlage alles. Meist unter Zeitdruck.
Spezialisiert haben sich die Dithmarscher auf die Kühlung und Lagerung von Gemüse. „Das ist erst seit den 70er Jahren möglich. Die Lösungen entwickelten wir gemeinsam mit den Landwirten. Heute sind sie die Experten für den Anbau und wir regeln die kühle Lagerung“, sagt Klaus Oelrichs.
Mit den Jahren seien die Hallen immer größer geworden. Der technische Fortschritt ermöglichte komplexe Lösungen. Mit Hilfe elektronischer Steuerung werden Räume heute nicht nur gekühlt. Gerade stellt Jens Meier die Anlage ein und schafft ein kühles Klima mit einer hohen Luftfeuchte.Dieses brauche das Gemüse, wenn es innerhalb von etwa drei Wochen schonend von bis zu zehn Grad auf null runterkühlt.
Entscheidend sei das Zusammenspiel der kälteerzeugenden Maschinen,Verdampfer, Kondensation und Luftumwälzung. Falsch eingestellt, drohen riesige Mengen zu verderben. Oder das Gemüse verliert zu viel Wasser und damit Gewicht. „Das ist bares Geld für den Landwirt“, sagt Jens Meier, der seit 1995 im Betrieb ist. Seither ist er viel herumgekommen. „Bis nach Russland“, sagt er. Dort plant und baut die Firma seit 2002 Kühlhäuser „Das ist ein interessanter Markt“, sagt Chef Klaus Oelrichs. Seine Firma sei aber nicht davon abhängig: „Wenn sich die politischen Umstände verschärfen, kann es schnell vorbei sein. Deshalb ist und bleibt Dithmarschen unser wichtigster Markt. Hier sind wir mit den Landwirten gewachsen.“

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