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Nein zu aktiver Sterbehilfe – ein Gedankenaustausch

Neustadt. Kaum ein anderes Thema sorgte jemals für eine derart persönliche Zerissenheit der Bundestagsabgeordneten, wie die derzeit laufende Debatte über eine gesetzliche Änderung der Sterbehilfe. Bundestagspräsident Norbert Lammert bezeichnete es jüngst als wichtigstes Gesetzgebungsverfahren der aktuellen Legislaturperiode. Selten kommt es vor, dass kein Abgeordneter sich dem Votum seiner Fraktion beugen muss. In dieser ethischen Grundsatzfrage verschwimmen Parteigrenzen. Vielmehr zählen persönliche Empfindungen, Erlebnisse und Einstellungen. Über Parteigrenzen hinweg werden Vorschläge erarbeitet.
Entschieden wird im Herbst. Dann wird auch Ingo Gädechens (CDU) seine Hand heben – vermutlich gegen die aktive Sterbehilfe. Eigentlich ist der Ostholsteiner Fachmann in Fragen der Innen- und Verteidigungspolitik. Am Freitagabend lud der CDU-Ortsverband Neustadt ihn, die Ärztin Annette Schmitz und den evangelischen Pastor Jens Rathjen zu einem Gespräch über das würdevolle Leben und Sterben in das Hotel Stadt Kiel ein. 40 Gäste erlebten nachdenkliche, emotionale und anregende zwei Stunden. In einem waren sich die drei einig – aktive Sterbehilfe lehnen sie ab.
Solche Eingriffe brauche es nicht, wenn Angehörige am Bett sitzen, die Hand halten, zuhören und trösten. Das ei aktive Sterbehilfe, sagte Jens Rathjen. Eindrucksvoll berichtete er von Menschen die die letzten Tage und Wochen im Leben eines Sterbenden ganz bewusst für Gespräche nutzten. Aus seiner Sicht werde der Tod gesellschaftlich zu sehr auf den individuellen Fall hin betrachtet. Er habe beobachtet, dass der Wunsch nach einem selbstbestimmten Sterben häufig mit einem Druck von Außen verbunden sei. Insbesondere ältere Menschen hätten das Gefühl, dass sie niemandem mehr zur Last fallen wollen.
Doch das dürfe keinesfalls zum Anlass genommen werden, einen Türspalt hin zur aktiven Sterbehilfe zu öffnen. „In Deutschland darf sich kein Sterbender unter Druck gesetzt fühlen und sich fragen, ob der Arzt für das eigene Weiterleben oder Sterben sorge“, so Rathjen. Vielmehr müsse das Sterben aus der Tabu-Zone gehoben und der Dialog der Generationen gefördert werden.
Wie das seit zehn Jahren bereits in Neustadt funktioniert, berichtete Annette Schmitz. Sie ist Ärztin der Schön Klinik und Vorsitzende des Vereins Beistand am Lebensende, der 113 Mitglieder zählt, von denen 37 ehrenamtliche Sterbebegleiter sind. Hospiz sei vielen noch immer fremd. Es sei kein Gebäude, sondern ein Gedanke, eine Haltung und eine Vorgehensweise. Niemand solle alleine sterben. Hinzu komme die Palliativmedizin. Sie sei darauf ausgerichtet, zu lindern, wenn Ärzte nicht mehr heilen können. „Wir wollen Lebensqualität erhalten und die letzte Phase des Lebens gestalten“, so Schmitz, deren Verein auch Mitglied des Palliativnetzes östliches Holstein ist. Über 1000 Patienten konnte der häufigste Wunsch erfüllt werden – sie starben im heimischen Umfeld.
Deshalb wünsche sie sich auch von der Politik mehr Unterstützung, damit die Möglichkeiten bekannter werden. Dann brauche es keine Debatte um aktive Sterbehilfe. Wichtiger seien Informationen und Aufklärungen. In diesem Jahr werde der Verein zehn Veranstaltungen zum Thema Sterben organisieren und zudem die Debatte in Berlin gespannt verfolgen


Links zum Thema:

Palliativnetz östliches Holstein: www.poeh-ev.de

Verein Beistand am Lebensende: www.beistand-am-lebensende.de


 

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