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Vom Snutenhobel bis zur Maggie-Soße

Auf amüsante Art und Weise pflegt dieses Trio die plattdeutsche Sprache . Was sich in ihrem Plattpaket verbirgt, erlebten die Zuschauer in der Theater-Aula in Neustadt in Holstein.

Neustadt in Holstein. Zum Start ins neue Theaterjahr wurde den Gästen schon viel geboten. Nach dem Gastspiel Walter Plathes bot jetzt das Hamburger Trio Lars-Luis Linek, Gerd Spiekermann Jochen Wiegandt ein abwechslungsreiches Programm plattdeutscher Kunst. Mit ihrem Plattpaket gastierten sie in der fast ausverkauften Theater-Aula der Jacob-Lienau-Schule. Die Veranstalter vom „Theater in der Stadt“ werden auch 2015 wieder zahlreiche Theatergruppen und Sänger nach Ostholstein.Die drei Hamburger stehen regelmäßig alleine und mit unterschiedlichsten Künstlern auf der Bühne.Am Freitag dauerte es überhaupt nicht lange, um das Eis zu brechen. Nach wenigen Takten sangen die Gäste lauthals mit. Auf der Bühne trug Jochen Wiegandt bekannte plattdeutsche Volklieder vor. Doch er sang nicht nur und erzählte Anekdoten aus seiner Kindheit. Der Hamburger zeigte auch, wie gut er sich mit der Geschichte der Lieder auskennt.Seit Jahren beschäftigt sich der Liederat, wie es sich selbst nennt, mit der alten Liederkunst, veröffentlichte CDs und schrieb auch ein Buch. Er selbst versteht sich als Sammler dessen, was der Volksmund an Liedern und Geschichten hervorgebracht hat. So staunten die Neustädter als er berichtete, dass beispielsweise das Lied „Dat du min Leevsten büst“ zum einen schon 150 Jahre alt ist und zudem seinen Ursprung in der Schweiz hatte.Noch mehr auf Plattdeutsch zu erzählen hatte Gerd Spiekermann – seines Zeichens Vater von vier Kindern. Wie sehr sich deren Kindheit von seiner eigenen unterscheidet, erfuhren die Zuhörer. Sie lachten lauthals, als Gerd Spieckermann sie mit auf einer Reise in seine Kindheit nahm. Die liegt rund 50 Jahre zurück und war auch die Kindheit vieler seiner Zuhörer. Er erinnerte an Lehrer, die Stockhiebe verteilten, schmerzhaften Impfungen, Allheilmittel seiner Mutter, das Allzweckgewürz von Maggie und komplizierte Beziehungen zu Mädchen.
Ganz so privat wurde Lars-Luis Linek nicht. Neustadt war für ihn ein weiterer Stopp seiner mittlerweile 40 Jahre andauernden Tour durch Europa. Der Hamburger wurde mit seiner Snutenhobel-Mundharmonika bekannt. Oft spielt er im Tonstudio für Künstler. Im vergangenen Jahr stand er mit unterschiedlichsten Künstlern 153mal auf der Bühne. In den kommenden Wochen wird er Spanien und Frankreich bereisen.
Und dann ist da diese eine Liebe – die zur plattdeutschen Sprache. Lange habe er sie zwar gekonnt, aber nicht gepflegt. Seit zehn Jahren bringt er den norddeutschen Dialekt auf die Bühne und mischt sie mit den Klängen des Blues und hofft, dass er mit modernen Klängen die alte Sprache lebendig halten kann. Sie ist für ihn ein wichtiges Stück Identität.

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